Klappentext

Wie sind wir zu dem geworden, was wir sind? Was macht Freundschaft aus und wie hält man sich die toten und lebenden Dibbuks vom Leib, die von einem Besitz ergreifen wollen? Luc Bondy erzählt von den Verlockungen und Schrecken der Kindheit, seiner Schulzeit im streng calvinistischen Internat, von zerbrechlichen Freundschaften und dem Tod des Vaters, von Künstlerfamilien und dem Alltag eines Regisseurs. Prosaminiaturen, Dialoge und Erinnerungen eines großen Theatermachers.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2006

Der Vergangenheit auf die Schliche zu kommen, schreibt Irene Bazinger in ihrer Rezension, sei das zentrale Motiv dieses "autobiografisch gefärbten" Erzählbandes, das Anliegen des Autors Luc Bondy. Bemerkenswert findet sie, dass dem Theatermann der Balanceakt zwischen biografischer Realität und poetischer Autonomie gelingt, wenn auch "nicht ohne Koketterie". Die Texte kommen daher als Erinnerungen, Betrachtungen, Skizzen, trotz des nonchalanten Tons, der federleichten Theatralik, die Bazinger sofort an die Inszenierungen Bondys erinnert, nicht als "hochglänzende Memoiren", eher wie "Splitter mit rauhen Kanten". Erleichtert konstatiert die Rezensentin Bondys neugierigen, kritischen und sensiblen Blick auf die Welt, in dem sich niemals "der bedeutende, erfolgsverwöhnte Regisseur" zu erkennen gibt. Ein Rüffel allerdings geht an ein eher lausiges Lektorat, dem Bazinger "zahlreiche verbale Nachlässigkeiten" nachweist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005

Nun ist das Geheimnis von Luc Bondys tiefschürfender Leichtigkeit gelüftet, die seine Inszenierungen auszeichnet,verkündet die Rezensentin Barbara Villiger Heilig. Sie hat in den unter dem Titel "Meine Dibbuks" versammelten Erinnerungen, Geschichten, Anekdoten und Überlegungen Hinweise darauf gefunden, dass der "schwebende Witz" Bondys paradoxerweise gerade aus der "Schwierigkeit des Daseins" rührt. In seinen "einfach komplizierten" und doch immer "authentischen" Stücken interessiere sich Bondy für die Menschen und ihre "kuriose Ernsthaftigkeit", mit der sie das Leben angehen. Seine Beobachtungen unternimmt Bondy aber auf eine humorvolle Weise, die ganz frei von Häme bleibe und dadurch "weise" und "mild" erscheine. Besonders gefallen hat der Rezensentin, dass das "unfassbare Organ" der Seele eine grundlegende Rolle einnimmt, seine Geheimnisse aber behalten darf.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005

Die erste Frage, die sich angesichts des Titels von Luc Bondys autobiografischen Skizzen aufdrängt, ist: "Was ist eigentlich ein Dibbuk?" Christine Dössel beantwortet sie in ihrer Rezension von Luc Bondys Autobiografie, indem sie den Autor zitiert: Demnach ist ein Dibbuk der Geist eines Toten, der sich einen Lebenden gewissermaßen als Vermieter sucht und diesen behaust. Das kann leicht ins Verderben des Wirts führen - allerdings handelt es sich bei Bondys "Verbesserten Träumen", wie "Meine Dibbuks" im Untertitel heißt, nicht um einen Exorzismus, beruhigt Dössel, sondern um "eine Beschwörung mit den Mitteln der Erinnerung". Die Rezensentin ist sichtlich gerührt von dem Werk, von dieser zarten Vergegenwärtigung des Vergangenen. Die "Beiläufigkeit des Erzählens" hebt sie hervor, die Uneitelkeit der Texte, die wie "zusammenhanglose Träume" aufeinander folgen, wehmütig zwar, wie die Rezensentin schließt, doch "ohne jede Larmoyanz".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Mit einem "Flaneur" unter den Schriftstellern hat Rezensentin Gabriele Killert Bekanntschaft gemacht. In seinem zweiten Prosaband führt Luc Bondy den Leser in das Reich einer Kindheit, konfrontiert ihn mit "wehmütigen Verlustanzeigen" und zeichnet "atmosphärische Porträts". Zudem ist das Buch eine Widmung an seinen Vater, den Literaturkritiker Francois Bondy, der vor zwei Jahren gestorben ist und zeit seines Lebens mit Kindern "nicht viel anfangen" konnte. Der Kritikerin behagt es besonders, dass Bondy aus dem Vater-Sohn-Verhältnis kein "Drama" macht. Niemals wirke er "klagend oder anklagend", die Suche nach Schuldigen und Gründen beginne er erst gar nicht. Bondy "inszeniert" vielmehr das Leben auf eine verhaltene Art, immer "nah am Ohr des Lesers". Und bringt uns, so lobt die Kritikerin, "Traumspiele des Lebens" nahe.
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