Henning Ziebritzki

Brand

Roman
Cover: Brand
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835358577
Gebunden, 144 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Dieser Debütroman erkundet die Kindheit eines aufmerksamen Jungen zwischen rauem Dorfalltag, vom Krieg geprägten Erwachsenen und ersten poetischen Eindrücken.In den Erinnerungen eines im Dorf Brand aufgewachsenen Jungen werden Familie und Einwohner ebenso lebendig wie der Hintergrund der Zeitgeschichte und der norddeutschen Landschaft. Es sind die sechziger Jahre, von den Erwachsenen nur "die Zeit nach dem Krieg" genannt. Die Begegnung mit dem komischen August, der eine Art Dorftrottel ist, die erste erotische Empfindung, ausgelöst durch die Lehrerin auf dem Schulhof, die Urgroßmutter und der tote Großvater prägen das Kind ebenso wie das Spektakel des Schweineritts, die bedrohliche Begegnung mit einem Fremden auf dem Erntefest, Erfahrungen mit dem Übersinnlichen beim Milchholen und die erste Lektüre eines Gedichtes von Goethe. Eine besondere Rolle spielen die Erzählungen der Mutter vom Dorf und seinen Bewohnern, die den Jungen nachhaltig beeinflussen und zu seinen ersten poetischen Erlebnissen werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025

Man merkt bei diesem Roman sofort, dass Henning Ziebritzki eigentlich Lyriker ist, hält die von diesem "Formbewusstsein" überzeugte Kritikerin Christiane Pöhlmann begeistert fest. Für sie ist die Geschichte des namenlosen Ich-Erzählers, aus der sie ausführlich zitiert, nicht nur Dorf, sondern auch Coming-of-Age-Roman. Erste Schwärmereien für Lehrerinnen wechseln sich ab mit Schilderung von Dorffesten und Streifzügen auf Feldwegen: Allen ist eine ausgeprägte Sinnlichkeit gemein, erfahren wir. So sind Vokale für den Protagonisten beispielsweise "Murmeln, die leise gegeneinanderklackten", zitiert Pöhlmann. Dass Ziebritzki auch vom Ende dieser kindlichen Unbeschwertheit schreibt, macht den Roman für die Kritikerin besonders lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.02.2025

Überzeugt ist Rezensentin Julia Schröder nicht vom ersten Roman Henning Ziebritzkis, der sonst als Lyriker mit seinem genauen Blick auf das Schmerzhafte begeistert: Das Buch besteht eher aus elf miteinander verbundenen Erzählungen über einen Jungen, der in einem niedersächsischen Dorf aufwächst. Das klingt für Schröder oftmals schwülstig und gestelzt, "sich hinschleppende Relativsatzorgien" erzählen von Einfamilienhäusern, Bauernfamilien und dem Schatten der  SS-Vergangenheit einiger Dorfbewohner und, seltsamerweise, davon, wie der Protagonist intensiv den Zeh seiner Lehrerin anstarrt. Die Bezüge zu Goethe und Stifter, die Ziebritzki zum Teil auch nachzuahmen scheint, irritieren die Kritikerin, wenn ihnen ein voyeuristischer  Blick gegenüber gestellt wird, der Formulierungsungetüme wie Steine,  die zu einem "Haufen tellurischen Fundwerks" werden, produziert. Ein  Roman, der sich in poetischer Hinsicht mehr vornimmt, als er leisten  kann.

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