Aus dem Französischen von Birgut Althaler. "Recht auf Stadt" ist mehr als die individuelle Freiheit, auf städtische Ressourcen zugreifen zu können. Es ist das Recht auf ein erneuertes urbanes Leben. Angesichts der sozialen Probleme in den desolaten Hochhaus-Vorstädten und anderer Folgen des rasanten Städtewachstums nach dem Zweiten Weltkrieg stellte Lefebvre schon in den sechziger Jahren fest, dass der Urbanisierungsprozess einhergeht mit einem Verlust der Stadt als Ort der kreativen Schöpfung, zugunsten einer bloßen industriellen Verwertungslogik. Er postuliert aber keine Abkehr von der Stadt - etwa in die zeitgleich entstehenden amerikanischen Mittelklasse-Vororte -, sondern macht in der Stadt ein enormes Potenzial aus, das zu einer emanzipierten urbanen Gesellschaft führen kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.04.2016
Für Till Briegleb scheint die längst überfällige Übersetzung von Henri Lefebvres Streitschrift zum Urbanismus zweierlei zu klären: Erstens, dass die Straßenkämpfer der Recht-auf-Stadt-Bewegung ihren Säulenheiligen wohl nicht oder nicht richtig gelesen haben. Und zweitens, dass der Autor seine urbane Utopie nur sehr schemenhaft und über das Proletariat zu entwickeln imstande war und sein Geschichtsbild eher nostalgisch als analytisch zu nennen ist. Ein schwärmerisches Buch, urteilt Briegleb, pseudowissenschaftlich und wenig praktikabel für die kritische Konfrontation. Allerdings scheint dem Rezensenten Lefebres Idee eines demokratischen Urbanismus heute noch viel dringlicher als zu seiner Zeit.
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