Louis Begley

Schmidts Bewährung

Roman
Cover: Schmidts Bewährung
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412275
Gebunden, 313 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Christa Krüger. In Louis Begleys neuem Roman taucht ein Bekannter wieder auf: der pensionierte New Yorker Anwalt Albert Schmidt, ein Don Juan mit Prinzipien. Vor der Einsamkeit durch seine Liebe mit der jungen Puertoricanerin Carrie bewahrt, führt Schmidt mit ihr ein abgeschiedenes Leben in Bridgehampton, Long Island. Das erste Mal seit dem Tod seiner Frau ist Schmidt glücklich. Nur die gemeinsame Zukunft mit Carrie bereitet ihm Sorgen, denn die Schöne weist alle seine Heiratsanträge zurück. Schmidts Befürchtungen bewahrheiten sich ? Carrie verliebt sich in einen anderen Mann. Schlimmer noch: Schmidts Tochter Charlotte, eine Frau mit Prinzipien, steht vor der Tür und fordert Geld ...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2001

"Schmidts Bewährung" ist ein Fortsetzungsroman, seinen Helden Albert Schmidt bezeichnet der Rezensent Kurt Scheel als einen "mittelmäßigen Sünder, wie du und ich". In diesem Identifikationsangebot scheint wohl auch das Erfolgsrezept zu liegen, das beim ersten Teil schon einmal aufgegangen ist und auf das Bergley mit dem Nachschieben eines zweiten Bandes ganz offensichtlich baut. Das, was der Rezensent über die Story des Buches preisgibt, klingt eher banal: Ein ehemals erfolgreicher, routiniert seine Ehefrau betrügender Anwalt, wird im Alter noch einmal kurzfristig von einer 25-jährigen Schönheit aus seiner Einsamkeit gerettet. Aber gerade die Fähigkeit, sowohl "die Kunscht- als auch die Schmökerfraktion" zu bedienen, gehört wohl zu den besonderen Fähigkeiten dieses Autors, weiß Jung . Die Kernfrage des Rezensenten lautet trotz allem: "Wie gelingt es Bergley, uns solchen Stuss glaubhaft zu machen?" Seine Antwort darauf lautet: Mit dem Sünder Schmidt geht das Schicksal vergleichsweise milde um, das lässt auf ähnliche Nachsicht mit uns kleinen Sündern hoffen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2001

"Schmidt bewährt sich" ist die Fortsetzung von Begleys Erfolgsroman mit dem schlichten Titel "Schmidt", eine Fortsetzung allerdings, wie sich der Rezensent Martin Lüdke in seiner sehr auführlichen Besprechung hinzuzufügen beeilt, bei der die Kenntnis des ersten Bandes "weder nützlich noch notwendig" ist. Das liegt daran, dass Schmidt, so Lüdke, nach "Lügen in Zeiten des Krieges" mehr oder weniger nur an einem "einzigen großen Roman" schreibt. Und der ist angesichts der vom Rezensenten angeführten Vergleichsgrößen offenbar ganz und gar nicht schlecht, unterscheidet er sich doch von Updike, so Lüdke, wie sich Proust von Balzac unterscheidet. Und das, obwohl alle "Versatzstücke des Trivialromans" anzutreffen sind (was man glaubt, wenn man die von Lüdke gebotene grobe Zusammenfassung der Geschichte der Liebe des alternden Schmidt zur jungen Carrie liest) - diese Versatzstücke aber werden, scheint es, in der doppelten Kunst sowohl "des Weglassens" wie von "Beschreibungsorgien" zum Gesellschaftsroman hoher Güte verdichtet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2001

Wenn der Autor in diesem Roman noch einmal auf die Personenkonstellation eines früheren Buches zurückgreift, so ist das für Angela Schader ein Indiz für ein besonders komplexes Verhältnis zwischen dem Schöpfer und seinen Figuren und zugleich ein Grund, einmal die Fährte des Helden nachzuzeichnen. Und weil Schader ihren Begley gut kennt, kann sie ihm am Ende ihrer äußerst mitteilsamen Besprechung einerseits zwar den Vorwurf machen, diese Komplexität mit einer "funkelnd polierten, aber hohl tönenden Textoberfläche" versehen zu haben, andererseits aber sich selbst zu jenen Lesern zählen, mit denen, wie sie schreibt, der Autor sich den Luxus leiste zu rechnen: Leser, "die im kunstvoll-künstlich aufgetragenen Firnis des Texts die Angst vor der existenziellen Leere dahinter schillern sehen."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2001

Günter Ohnemus ist auch von diesem Buch Begleys über den Anwalt Schmidt sehr angetan, das eine Fortsetzung des 1997 erschienen Romans Schmidt ist. In einer eingehenden Besprechung stellt der Rezensent den 1933 in Polen geborenen und erst mit fünfzig Jahren zur Schriftstellerei gekommenen Begley vor, um sich dann intensiv diesem Roman zu widmen. Zunächst lobt er die Übersetzung von Christa Krüger, die er trotz einiger Ausrutscher für sehr gelungen hält, weil sie den Stil des Autors - "kühl und elegant, absolut unromantisch" - adäquat wiedergibt. Das sind auch die Attribute, die Ohnemus an diesem Buch, in dem das zwischen Geld und Sex sich abspielende Leben des pensionierten Schmidt beschrieben wird, so gut gefallen. Er hebt die "Kälte und Distanziertheit", mit der der Protagonist gekennzeichnet ist, hervor und preist besonders Begleys Fähigkeiten, souverän mit den Stilmitteln des inneren Dialogs und der erlebten Rede umzugehen. Zum Schluss vermutet der Rezensent, dass es sich bei diesem Roman vielleicht um eine Utopie handelt, wobei unklar bleibt, wo denn das utopische Potential in dieser alles in allem wohl eher trüben Geschichte liegen könnte.
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