Linda Nochlin

Misère

Darstellungen von Armut im 19. Jahrhundert
Cover: Misère
Piet Meyer Verlag, Bern - Wien 2020
ISBN 9783905799620
Gebunden, 240 Seiten, 28,40 EUR

Klappentext

1971 stellte Linda Nochlin die polemische Frage: "Why Have There Been No Great Women Artists?" ("Weshalb gab es keine großen Künstlerinnen?") und avancierte damit zur Begründerin einer feministischen Kunstgeschichtsschreibung. In der vorliegenden, posthum veröffentlichten Studie über die Darstellung von Armut im 19. Jahrhundert betritt die New Yorker Kunsthistorikerin auf andere Weise Neuland.Friedrich Engels beschrieb 1845 die menschenverachtenden frühkapitalistischen Zustände in den Textilfabriken von Manchester. Victor Hugo legte 1862 seine fünf Bände zu Les Misérables vor; darin schilderte er die Zustände im nachnapoleonischen Frankreich auf eine Weise, die uns noch heute erschüttert. Doch was für Bilder entstanden damals zu diesem Thema? Wie sahen Künstler oder frühe journalistische Reporter Menschen in Armut? Was wurde gemalt, gezeichnet, gestochen oder anderweitig bildlich festgehalten? Was erschien in welchen Massenmedien? Nochlins Essay reflektiert die Möglichkeit der Darstellung von Armut ebenso wie die Vertretbarkeit entsprechender Abbildungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2020

Linda Nochlin war eine Ikone der feministischen und sozialkritischen Kunstgeschichte, weiß Rezensent Bernd Stiegler, dem der postum erschienene Band "Misère" über Darstellungen des Elends etwas hastig zusammengestellt erscheint. Das Unfertige daran bedauert Stiegler, zu schätzen aber weiß er das Unterfangen. Nochlin fragt, wie sich in einer von Bildern übersättigten Gesellschaft Armut und Elend noch darstellen lassen, und sie greift dafür auf Darstellungen der irischen Hungersnot zurück sowie auf Interpretationen der Künstler Théodore Géricault, Gustave Courbet und Fernand Pelez. Stiegler erkennt in dem Band auch eine Kritik des Dokumentarismus, vor allem jedoch eine Suche nach visueller Empathie.

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