Alexandre Correard, J.-B. Henri Savigny

Der Schiffbruch der Fregatte Medusa

Ein dokumentarischer Roman aus dem Jahr 1818
Cover: Der Schiffbruch der Fregatte Medusa
Matthes und Seitz, Berlin 2018
ISBN 9783957574220
Gebunden, 264 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Mit zalhreichen Abbildungen in Graustufen und einem Nachwort von Michel Tournier. Aus dem Französischen von Jörg Trempler und Johannes Zeilinger. Mit einem Essay von Jörg Trempler. Am 2. Juli 1816 zerbrach die auf Grund gelaufene Fregatte Medusa vor der Küste Afrikas. Da nicht genügend Rettungsboote an Bord waren, wurde ein Floß gezimmert, auf dem nicht weniger als 150 Personen untergebracht wurden. Ohne Skrupel entfernten sich die Rettungsboote und ließen das weitgehend manövrierunfähige Gefährt zurück. Als das Floß durch Zufall nach zwölf Tagen entdeckt wurde, befanden sich nur noch fünfzehn Personen am Leben. Der vorliegende Romanbericht zweier Überlebender beschreibt eindrucksvoll den Kampf auf hoher See sowohl gegen den Hunger als auch gegen die Leidensgenossen. Berühmt wurde der Text nicht nur durch die erstaunlich nüchterne Schilderung von Meuterei und Kannibalismus, sondern auch durch die politische Bedeutung, da nicht wenige Zeitgenossen in diesem Schiffbruch ein Bild des Staatsschiffs sahen. Die Medusa wurde sofort als allégorie réelle auf die Zustände im nach-revolutionären Frankreich bezogen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2018

Der verstörenden Wirkung von Jean-Baptiste Savignys Bericht über den Schiffbruch der Medusa 1816 kann die Zeit nichts anhaben, meint Rezensent Alex Rühle. Daher ist es, so Rühle, auch vollkommen nachvollziehbar und lobenswert, diesen Bericht, der 2005 erstmals bei Matthes und Seitz erschien, nun ein zweites mal im Programm aufzunehmen. Savigny und sein Assistent beschreiben darin, was die französische Marine lieber vertuscht hätte - das mehrfache Versagen eines inkompetenten und egozentrischen Kapitäns, der Schiffbruch eines der modernsten Schiffe dieser Zeit, der Überlebenskampf von 150 Passagieren auf einem kleinen Floß, der Verlust aller menschlichen Ideale und Werte innerhalb von zwei Wochen, an deren Ende von den 150 nur noch 15 übrig waren. Doch Savignys Protokoll ist wegen der vielen Implikationen dieses Falls eben nicht nur ein "Katastrophenbericht", sondern auch eine deutliche Kritik der Restauration und damit ebenso "Parabel und Politkrimi", erklärt Rühle. Genau diese dreifache Bedeutung macht ihn so lesenswert, so der Rezensent.

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