Linda Boström Knausgard

Willkommen in Amerika

Cover: Willkommen in Amerika
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2017
ISBN 9783895611230
Gebunden, 144 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Die elfjährige Ellen lebt in einer hellen Familie. So betont es die Mutter, eine erfolgreiche, lebenslustige Schauspielerin. Wenn sie zu Hause ihren Unterricht hält, müssen die Türen geschlossen sein, und sie genießt ihre eigene Welt am Theater. Auch der große Bruder verbarrikadiert sich in seinem Zimmer, hört laute Musik und hat eine erste Freundin. Die Zeit ausgelassener Eishockeyspiele in der Diele der großen Wohnung ist vorbei, erst recht, als der Vater stirbt. Nach der Trennung der Eltern war er aggressiv geworden, und Ellen hat seinen Tod so sehr herbeigewünscht, dass sie nun aus Angst über die Macht ihrer Gedanken verstummt. Mit ihrem Schweigen schützt sie die dunkle Wahrheit ihres Ichs und fordert die Mutter zu einem Kräftemessen heraus.  

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.09.2017

René Hamann nimmt Linda Boström Knausgards Buch als Emanzipationsanstrengung. Wie sich die Autorin von ihrer Familiengeschichte befreit, meint Hamann beim Lesen erkennen zu können, für Abrechnungsliteratur hält er das Ganze dennoch nicht. Eindrücklich und gut lesbar scheint ihm, was die Autorin an Handlung präsentiert, an Figurenpsychologie und auch stilistisch. Vor allem am Stil meint Hamann die Loslösung vom Noch-Ehemann Karl Ove Knausgard auszumachen: Knapp und elliptisch, zwischen den Zeilen erzählend schreibt die Autorin, nicht ausschweifend, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.08.2017

Judith von Sternburg erlebt die Kunst als Schutzraum in diesem kleinen laut Sternburg autobiografisch gefärbten Buch Linda Boström Knausgards. Beim Lesen nicht an die Erfolgsbücher von Boström Knausgards Ehemann zu denken, ist der Rezensentin kaum möglich, zumal die Autorin so betont ganz anders, nämlich sprachlich und inhaltlich dicht und knapp schreibt. Die Familiengeschichte mit einem latent suizidalen Vater, einer im Rausch des Schauspielberufs scheinbar aufgehenden Mutter und einem schweigenden Kind, für Sternburg eine Geschichte der Angst, findet die Rezensentin lebendig wie diskret erzählt.
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