Klappentext

"Die Zeit meines Vaters" schildert das Leben des jungen Xiao Li von seiner Kindheit in den Fünfzigerjahren bis zum Tod Maos am 9. September 1976. Der Zeichner Li Kunwu bleibt dabei sehr nahe an seiner eigenen Biografie und beschreibt anschaulich und leidenschaftlich die Auswirkungen staatlicher Kampagnen wie "Großer Sprung nach vorn" und "Kulturrevolution" auf den Alltag einer normalen chinesischen Familie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.01.2013

Rezensent Christian Schlüter reist mit Li Kunwus Comic (dem ersten einer autobiografischen Trilogie) zurück ins 20. Jahrhundert, dessen Tragik der Autor mitunter auch im Furor heißglühender Idealisten aus allen politischen Lagern begründet sieht, so der Rezensent. Genauer gesagt geht es um eine Kindheit in China in der Epoche Mao Zedong, dessen Staatsterror allerdings in den Hintergrund tritt, erklärt Schlüter. Die entspannte Haltung des Comicautors gegenüber seinem Sujet weiß er sehr zu schätzen: So lasse der Comic sich schlicht als Autobiografie vor dem Hintergrund bewegter Zeiten, aber auch als "Geschichte einer großen Ansteckung", nämlich der autobiografisch geprägten Figur eines sich für den Staat zusehends begeisternden Jungen, lesen, wodurch sich dem Leser die komplexe historische Architektur des Comics überhaupt erst offenbare. Dem Autor rechnet Schlüter diese Offenheit hoch an, ebenso wie dessen ästhetische Strategie, sich die offizielle Staatsikonografie Chinas einerseits anzueignen, diese aber zugleich durch wimmelnd-wuselnde Bilder zu brechen. Damit zählt diese Comicveröffentlichung zu den ambitioniersten seit langer Zeit, schließt der Rezensent rundum begeistert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.01.2013

Zurückhaltend äußert sich Waldemar Kesler über den nun vorliegenden ersten Band der Graphic-Novel "Ein Leben in China. Die Zeit meines Vaters" von Philippe Ôtié und Li Kunwu. Die Ära Mao Zedongs, erzählt aus der Perspektive des Kindes Xiao Li, steht im Mittelpunkt dieses Bands. Kesler erklärt vielleicht etwas naiv, dass Ôtié und Kunwu einen Mittelweg zwischen chinesischer Propaganda und europäischer Kritik versuchen. Eine Bloßstellung der chinesischen Politik sei nicht ihre Absicht! Allerdings nimmt die Geschichte Xiao Lis, die auf Kunwus Erinnerungen basiert, in Keslers Augen bisweilen Züge einer "kommunistischen Modellbiografie" an, wenn etwa Xiaos Vater im Zuge der Kulturrevolution denunziert wird und verschwindet, der Junge aber dank der Omnipräsenz des Übervaters Mao diesen Verlust verkraften kann. Zudem bedarf der Leser nach Einschätzung des Rezensenten über jede Menge eigenes Hintergrundwissen, um die Ereignisse politisch und gesellschaftlich einigermaßen einordnen zu können.