Yang Jisheng

Grabstein - Mùbei

Die große chinesische Hungerkatastrophe 1958-1962
Cover: Grabstein - Mùbei
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012
ISBN 9783100800237
Gebunden, 800 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Chinesischen von Hans P. Hoffmann. Mehr als 36 Millionen Menschen fielen ihr zum Opfer, in nahezu jeder Familie gibt es Tote zu beklagen und noch immer darf in China offiziell nicht darüber gesprochen werden: die schreckliche Hungerkatastrophe der Jahre 1958 bis 1962, die Mao und seine Parteikader zu verantworten haben. Yang Jisheng, dessen eigener Vater verhungerte, hat über zwei Jahrzehnte lang Interviews mit Zeugen geführt und eine unglaubliche Fülle an bislang unzugänglichen Informationen zusammengetragen. Minutiös dokumentiert er so, in welch unheilvolles Desaster Maos "Großer Sprung nach vorn" führte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

In nie gekannter Ausführlichkeit und Genauigkeit schildert der Autor Yang Jisheng die Folgen des Großen Sprungs, der Zwangskollektivierung in Maos China, der laut Autor 36 Millionen Menschen zwischen 1958 und 1962 zum Opfer fielen, da sie schlicht nichts zum Essen hatten und man ihnen die Mittel zur Selbstversorgung genommen hatte. Rezensent Mark Siemons läuft es augenscheinlich mehr als einmal kalt den Rücken herunter bei der Lektüre über das Elend der Menschen, kannibalistische Exzesse, die der Autor höchst konkret schildert, wie Siemons mitteilt, aber auch indem er erfährt, wie monströs die chinesische Führung agierte. Die Machtmechanik erklärt ihm Yang Jisheng aus ureigener Erfahrung, für Siemons neben der Fülle der herangezogenen Quellen (Archivmaterial, Zeigenaussagen) ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Arbeiten zum Thema. Das Buch ist für Siemons eine groß angelegte Aufhebung des offiziellen Tabus und Denkmal für die Toten in einem.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.07.2012

"Grabstein" ist dem Rezensenten Detlev Claussen ziemlich auf den Magen geschlagen. Trotzdem: dieses Buch muss gelesen haben, wer über das nachrevolutionäre China mitreden möchte, meint er. Mit "Grabmal" habe Yang Jisheng das lange währende Schweigen von der Hungerkatastrophe zwischen 1958 und 1962 gebrochen. Damals sind in vier Jahren 36 Millionen Menschen gestorben. Hunger in diesem Ausmaß ist niemals nur der Natur geschuldet, schreibt Claussen, sondern sei auch immer ein Zeichen schlechter Herrschaft. Die katastrophale Politik Maos - "Der große Sprung nach vorn" - habe zu diesem Leiden geführt, noch grausamer als in der stalinistischen Sowjetunion. Der Klassenkampf wandte sich mit der Kollektivierung gegen die Bauern und entzog ihnen die Lebensgrundlage. Besonders der Kannibalismus dieser Zeit ist noch heute ein Tabu, während der Hungersnot gehörte er zur Realität. Detlev Claussen sieht in "Grabstein" einen wichtigen Versuch, diese verleugnete Realität aufzuarbeiten.

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