Lew Hinchman, Thomas Meyer

Theorie der sozialen Demokratie

Cover: Theorie der sozialen Demokratie
Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005
ISBN 9783531146126
Kartoniert, 678 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Die Demokratietheorie kennzeichnet ein merkwürdiges Paradox. Während die kapitalistische Marktwirtschaft zumeist als ermöglichende Bedingung liberaler Demokratie verstanden wird, gelten die radikalen Ungleichheiten, die sie erzeugt, zugleich auch als eine ihrer zentralen Gefährdungen. Die hier vorgelegte Theorie der sozialen Demokratie klärt die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, wenn der Anspruch rechtsstaatlicher Demokratie uneingeschränkt erfüllt sein soll. Sie begründet im Anschluss an die jüngste empirische Forschung die Anforderungen an die Einbettung der Märkte, den grundrechtsgestützten Sozialstaat, die gesellschaftliche Demokratisierung und faire Globalisierung, die dafür erfüllt sein müssen. Nicht die libertäre Demokratie mit ihrer Fixierung auf Markt- und Eigentumsfreiheit, sondern erst die soziale Demokratie gewährleistet die Erfüllung aller Grundrechte des demokratischen Rechtsstaates.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2005

Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer sucht nach einem nach dem Ende der großen Systemkonkurrenz zwischen Kapitalismus und Sozialismus noch gangbaren Weg für die Sozialdemokratie. So unterscheidet er erst einmal zwei Versionen des demokratischen Kapitalismus - nämlich zum einen die "libertäre", zum anderen die "soziale" Demokratie. Während erstere vor allem einen "negativen" Freiheitsbegriff hat - und den Bürger vor allem vor dem Staat geschützt sehen möchte -, setzt die letztere auf ein Freiheitskonzept "positiver Handlungsermöglichung". Die Idee sozialer Gerechtigkeit, um die es ihm geht, sieht Thomas Meyer in unterschiedlicher Weise bei Denkern wir John Rawls, Michael Walzer oder Jürgen Habermas entwickelt. Der Rezensent Günther Sandner zeigt sich soweit ganz einverstanden, zumal Meyer die beiden Pole als "Idealtypen" begreift, die mal mehr, mal weniger gemischt auftreten. Ein Problem sieht er dennoch: In der Frage der praktischen politischen Umsetzung des sozialen Elements der Demokratie bleibe Meyer "letztlich einigermaßen unbestimmt". Das hält Sandner dann doch für eine nicht unbedeutende Lücke" des Entwurfs.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.10.2005

Ein großes Buch habe Thomas Meyer mit der "Theorie der sozialen Demokratie" geschrieben, urteilt Wolfgang Merkel begeistert. Ein Buch, das die Möglichkeiten der "Entfaltung" der Demokratie darstellt und vor allem über die "Realwirkung" der durch die Verfassung garantierten Grundrechte der Bürger nachdenkt. Als wohltuend verbucht der Rezensent, dass das Werk sich durch seine optimistische, nüchtern kämpferische Stimmung unterscheide von den gegenwärtig so verbreiteten larmoyanten Nachrufen auf das demokratische Staatssystem. Drei Arten von Demokratie differenziert Meyer: die liberale, die libertäre und die soziale. Er plädiert eindrücklich für die letztere. Nur diese widersteht Meyers Ansicht nach dem "Abrutschen ... in die darwinistische Sphäre libertärer Ungleichheit". Auch den Mythos von den schwindenden Spielräumen nationaler Politik revidiert der Autor. Rezensent Merkel schließt sich seinen Ansichten widerstandslos und hocherfreut an.
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