Leszek Kolakowski, der wohl bekannteste polnische Philosoph der Gegenwart, beherrscht die seltene Kunst, seinem Leser die Angst vor der Beschäftigung mit bedeutenden philosophischen Fragestellungen zu nehmen. In diesem Band schreibt er: über Gott, über den Terrorismus, über Sex, die Todesstrafe, das Nichtstun, Schulden, Neid, über Freund und Feind und vieles mehr.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.10.2002
"Hier spricht ein Narr von Gott", schreibt Alexander Kissler über das jüngste Werk des polnischen Philosophen Leszek Kolakowski: Schon 1959 habe Kolakowski mit der Marxismus-Leninismus gebrochen und den Machthabern in Warschau vorgeworfen, "Priester falscher Ideologien zu sein". Die bereits in seinem ersten Hauptwerk formulierten Antwort auf die Predigt des gläubigen Pfarrers "'Vielleicht, Vielleicht auch nicht.'" spiegelt laut Kissler die Überzeugung "von der 'grundsätzlichen Unzulänglichkeit des Menschen'" wider. So verteidige sich der Philosoph mit dem Zweifel an sich selbst gegenüber der Realität. In den 15 Kurzvorträgen, die der Autor ursprünglich für das polnische Fernsehen verfasst hat, sieht Kissler den Versuch, allen Gewissheiten ein Schnippchen zu schlagen. Dabei vertritt der Autor die" Abkehr vom Prinzip und Hinwendung zum Einzelfall". Allerdings befriedigt die Lektüre den Rezensenten nicht immer, da einzelne der Themen durch die gewählte Form zu kurz kommen, insgesamt jedoch schätzt er die Anregungen zum eigenen Nachdenken. Denn wer, wie Kissler, dem inzwischen 75-jährigen Autor folgt, der "fasst sich selber an die Nase".
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