Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller. Wegen Vergewaltigung und Mord an einer jungen Frau aus seinem Heimatdorf sitzt Truman Ferris Pinter im Todestrakt eines Gefängnisses und wartet darauf, gehängt zu werden. Die Vergewaltigung gesteht er, nicht aber den Mord. Pinter schwört, das Opfer sei später am Ufer eines Flusses ausgeglitten und dann ertrunken. In den wenigen Stunden, die ihm noch bleiben, doziert der intellektuelle Misanthrop geistreich über sein Leben und die Tat und stellt provozierende Thesen auf.
Rezensentin Katharina Granzin kann nur staunen, wie echt der Erzähler in Les Edgertons Roman wirkt. Der zum Tode verurteilte Vergewaltiger und Mörder scheint ihr einerseits ein sehr eloquenter Erzähler zu sein, der eine extreme Geschichte zu erzählen hat, andererseits aber empfindet Granzin Mitleid mit ihm ob seiner im Grunde traurigen Geschichte und seines Charakters. Wie sich alles wirklich zugetragen hat, diese Frage gerät im Lauf der Erzählung für die Rezensentin in den Hintergrund und das Undenkbare zeigt sich, so Granzin.
Einerseits erschüttert, andererseits fasziniert zeigt sich Rezensent Elmar Krekeler von Les Edgertons kompromissloser Erzählung eines Vergewaltigers, der sich selbst zum Antichristen stilisiert. Zehn Stunden hat der verurteilte Truman Ferris Pinter Zeit, um von seiner Tat, seinen Gedanken und Gefühlen zu erzählen, während er im Todestrakt eines amerikanischen Gefängnisses auf den Strafvollzug wartet, lesen wir. In seiner verstörenden, kaum auszuhaltenden Geschichte wird nichts beschönigt oder anstandshalber ausgelassen, so Krekeler, eher im Gegenteil. "Fies ist das, aber toll", ein konsequentes literarisches Experiment, lobt der beeindruckte Rezensent.
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