Tom Franklin

Krumme Type, krumme Type

Roman
Cover: Krumme Type, krumme Type
Pulp Master, Berlin 2018
ISBN 9783927734999
Kartoniert, 350 Seiten, 15,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Als die neunzehnjährige Tina Rutherford verschwindet, ist jedem in Chabot, Mississippi klar, wer dafür verantwortlich ist. Denn 25 Jahre zuvor war schon die junge Cindy Walker nach einem Date mit dem Nachbarssohn Larry Ott spurlos verschwunden. Für das Verbrechen konnte Larry aus Mangel an Beweisen nie verurteilt werden, wurde aber fortan gemieden und lebte in ritualisierter Einsamkeit. Erneut unter Verdacht, ist sein Haus vermehrt Ziel betrunkener Rednecks; er wird angeschossen und der junge schwarze Constable Silas Jones mit den lästigen Ermittlungen betraut - eine gemeinsame Vergangenheit und ein dunkles Geheimnis verbinden ihn mit Larry. Schon Faulkner wusste, dass sich die Vergangenheit nicht beerdigen lässt, und in Franklins Südstaaten-Roman um Freundschaft, Verrat und Alltagsrassismus brechen alte Wunden auf und offenbaren, dass man, getrieben von Furcht und Feigheit, schlimme Fehler begehen kann

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.11.2018

In "Krumme Type, krumme Type" verschwindet in Chabot, Mississippi, eine junge Frau, was die Gerüchte um den Automechaniker Larry wieder anheizt, denn dieser unbeliebte Mann war als Jugendlicher ein einziges Mal mit einer Frau ausgegangen, bevor sie noch am selben Abend spurlos verschwand, erzählt die Rezensentin Sylvia Staude. Staude haben bereits die Rückblenden in Larrys Vergangenheit, bei denen eine zähe Freundschaft zwischen einem weißen und einem schwarzen Jungen in einer rassistischen Gegend aufgerollt wird, so fasziniert, dass sie den Fall zwischenzeitlich beim Lesen fast vergessen hätte. Aber auch der sei dann ganz hervorragend, versichert die Rezensentin. Sie fand Tom Franklins Krimi insgesamt nicht nur originell, er hat ihr auch gezeigt, dass sich in den USA beim Kampf gegen den Rassismus in den letzten Jahrzehnten zu wenig getan hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.10.2018

Mit "Krumme Type" - im original "crooked Letter" - ist das "s" in Mississippi gemeint, weiß Rezensent Stefan Fischer. Krumme Typen sind aber auch Larry und Silas. Sie waren mal so was wie Freunde, in der Erzählgegenwart des Romans stehen sie jedoch in einem komplizierteren Verhältnis zueinander, lesen wir. Larry wird nämlich genau wie vor zwanzig Jahren in einem Mordfall verdächtigt und Silas kommt als Constable die Aufgabe zu, in diesem Fall zu ermitteln. Überhaupt besteht Franklins gesamtes Figurenensemble aus krummen, "verwachsenen" Typen in einem gottverlassenen, von Armut geprägten Winkel der USA. Franklin erzählt in einer einfachen und luziden Sprache, so Fischer, wie diese Menschen leben, sich verbiegen, klein und gebückt bleiben. Dass er dabei nie gefühlskalt oder gar herabwürdigend gegen seine Figuren wird, begeistert den Rezensenten.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.08.2018

"Große Literatur" nennt Rezensent Tobias Gohlis Tom Franklins "Krumme Type, krumme Type". Und wenn große Literatur aus den USA kommt, bemerkt Gohlis, handelt sie auffallend oft von kleinen Jungen. Die zwei Buben in Franklins Roman heißen Larry und Silas - der eine weiß, der andere schwarz. Ihre Familien verbindet ein altes Geheimnis, das tief vergraben liegt im ewigen Schweigen, lesen wir. Überhaupt sei "Krumme Type, Krumme Type" von den verschiedensten Arten des Schweigens erfüllt. Jeder scheint seine eigene zu haben - auch Silas, der 30 Jahre nachdem er und Larry beinahe Freunde geworden wären, gegen diesen ermitteln muss. Ein Mädchen ist verschwunden - genau wie damals. Und wieder wird Larry verdächtigt, das Opfer entführt zu haben. Es ist eine grandiose Geschichte, eine spannende Geschichte, hervorragend übersetzt von Nikolaus Stingl, die die Zustände in Mississippi beschreibt, wo schwarze und weiße Kinder schon längst Freunde werden können und trotzdem eine "dunkle Wolke" aus "Armut, Verzweiflung und Hass" ihre Schatten über das Land wirft, schließt Gohlis.