Leonardo Padura

Labyrinth der Masken

Das Havanna-Quartett: Sommer
Cover: Labyrinth der Masken
Unionsverlag, Zürich 2005
ISBN 9783293003231
Gebunden, 272 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem kubanischen Spanisch von Hans-Joachim Hartstein. Im dichten Unterholz des Bosque de La Habana wird am sechsten August, am Tag, an dem die Kirche das Fest der Verklärung Jesu feiert, die Leiche eines Transvestiten gefunden, der den roten Seidenschal, mit dem er ermordet wurde, noch um den Hals trägt. Zur großen Bestürzung von Mario Conde stellt sich heraus, dass diese rot gekleidete "Frau" Alexis Arayan ist, der Sohn eines angesehenen kubanischen Diplomaten. Der exzentrische Marques, ein Mann aus der Welt der Literatur und des Theaters, lebt als Homosexueller geächtet in einem zerfallenden Haus und scheint eine Art Heiliger und zugleich Hexenmeister zu sein, kultiviert, intelligent, listig und mit feiner Ironie begabt. Nach und nach führt er Conde in eine düstere Welt ein, in der jedermann die ganze Wahrheit über Alexis Arayan zu kennen scheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2006

Florian Borchmeyer nimmt den Hut ab vor soviel Chuzpe. Einen bösen Abgesang auf die kubanische Revolution und einen ungewohnt deutlichen Hinweis auf ihre Schrecken als Kriminalroman aus dem Künstler- und Homosexuellenmilieu zu tarnen, erscheint ihm einzigartig, genial und mutig zugleich. Der Fall rund um eine in Frauenkleider gewandete Staatsanwaltsleiche dient Padura als Vorwand, um seinerseits quasi in Verkleidung mit der kubanischen Revolution abzurechnen, schwärmt Florian Borchmeyer, der das Unternehmen als "ein in der kubanischen Gegenwartsliteratur einzigartigen Akt der Travestierung" preist, das sich hart an der Grenze des Erlaubten bewege. Der Wissende werde in diesem unterhaltenden, aber eben nur oberflächlich auf Unterhaltung angelegten "subtilen Schlüsselroman" alle bedeutenden Figuren der Revolutionselite Kubas erkennen, versichert der begeisterte Borchmeyer, lässt sich aber nicht zu einem konkreten Beispiel herab.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2005

Wärmstens empfehlen kann Knut Henkel den neuen Kuba-Krimi von Leonardo Padura, der diesmal seinen machistischen Kommissar Mario Conde den Mord an einem jungen Transvestiten aufklären lässt. Sehr genau findet Henkel die Voruteile gegen Schwule im homophoben Kuba nachgezeichnet (und schließlich widerlegt), und auch das Klima des "grauen Jahrfünfts" in den siebziger Jahren, als zahlreiche Intellektuelle die Insel verließen. Glücklicherweise, versichert Henkel, erspare Padura aber eine allzu ausführliche Wiedergaben historischer Zitate. Spannend scheint es aber auch im "Labyrinth der Masken" zuzugehen, Henkel verheißt ein Finale, "das es in sich hat". Wermutstropfen ist ihm allein der Gedanke, dass Paduras Havanna-Quintett mit dem nächsten Band zu Ende geht.
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