Ein frühes Standardwerk über die Judenvernichtung, das in viele Sprachen übersetzt wurde, aber erst 70 Jahre danach auch auf Deutsch erscheint. Aus dieser ersten auf Dokumenten basierten Studie geht hervor, dass es sich bei der Judenvernichtung um einen beispiellosen Vorgang handelt oder, wie es Hannah Arendt ausdrückte, um "die schrecklichste Erfahrung unserer Generation".
Für den hier rezensierenden Historiker Jan Gerber gelingt Leon Poliakov in seinem Buch von 1951 das Kunststück, mittels Täterdokumenten die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Mit seinem Versuch zu ergründen, warum die Deutschen die Juden ermordeten, setzte der Autor Maßstäbe, auch wenn es keine Antwort auf die Frage geben kann, so Gerber. Stattdessen rekonstruiert Poliakov das Wie des Holocaust, von den Abläufen über die Befehlsketten bis zu Kompetenzstreitigkeiten, und fragt erstmals nach den Verbindungen zwischen Holocaust und Euthanasie, erklärt Gerber. Dass er bei all dem nie die Täterperspektive einnimmt, findet der Rezensent besonders bemerkenswert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2021
Rezensent René Schlott hält Leon Poliakovs Darstellung über die Entrechtung und Ermordung der europäischen Juden für eine Meisterwerk der Geschichtsschreibung. Dass der Autor bereits 1951 so umfassend anhand von Täterdokumenten den Judenmord als Genozid ausweisen konnte, findet Schlott bemerkenswert. Auch mit anderen Erkenntnissen ist der Autor seiner Zeit voraus, meint Schlott, so wenn Poliakov von der schrittweisen Radikalisierung des Geschehens schreibt, die wirtschaftlichen und religiösen Aspekte des Judenmords herausarbeitet und die Rolle des Vatikans und der Judenräte. Die Übersetzung von Ahlrich Meyer schätzt Schlott für ihre Originaltreue, nicht zuletzt bei den Rückübersetzungen deutscher Quellen.
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