Leon de Winter

Geronimo

Roman
Cover: Geronimo
Diogenes Verlag, Zürich 2016
ISBN 9783257069716
Gebunden, 448 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. "Geronimo" lautete das Codewort, das die Männer vom Seals Team 6 durchgeben sollten, wenn sie Osama bin Laden gefunden hatten. Doch ist die spektakuläre Jagd nach dem meistgesuchten Mann der Welt wirklich so verlaufen, wie man uns glauben macht? Ein Roman über geniale Heldentaten und tragisches Scheitern, über die Vollkommenheit der Musik und die Unvollkommenheit der Welt, über Liebe und Verlust.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2016

Samir Sellami kann nur staunen, wie öde die abendländischen Werte in Leon de Winters Buch erscheinen, die der Autor für den Rezensenten in beunruhigender Nähe zu nicht-literarischen Beschwörungen europäischer Kultur in "Geronimo" gegen die angebliche Rückständigkeit des Islams in Stellung bringt. Das Pakistan der Gegenwart in diesem Verschwörungszenario über einen quicklebendigen Osama bin Laden ist natürlich dreckig, korrupt und gewalttätig, die US-Gesellschaft oberflächlich und imperialistisch, stellt Sellami fest. Schwarzmalerei zu beiden Seiten also. Diese antagonistische Welt, die Sellami zunächst harmlos findet, stößt ihn regelrecht ab, sobald der Autor seinen "Schmöker" ins bildungsbürgerlich Aufgeplüsterte wendet und Schönheit und Aufklärung als rettenden Quell für die Menschheit mobilisiert. Verstaubte Genre-Literatur, lustlos erzählt, schimpft Sellami.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2016

Peter Körte zeigt sich enttäuscht über eine vertane Chance. Leon de Winters Thriller über die Jagd auf Bin Ladin kann für ihn weder mit Subtilität noch mit Stil punkten. Zwar liest sich der Text flüssig, meint Körte, doch vor lauter kruden Plot Points und der überexpliziten Auflösung noch des letzten Nebenstrangs der Handlung verliert der Rezensent Lust und Laune. Bin Ladin also lebt und zwar allzu menschlich, Marlboro rauchend und Moped fahrend, wie de Winter suggeriert, so what? Nicht mal die Verteilung der Erzählung auf fünf Perspektiven, von Obama bis zum CIA-Veteranen kann das Buch retten, findet Körte.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 27.08.2016

So viel Fantasie muss man erstmal aufbringen, schwärmt Dirk Schümer, der bewundert wie Leon de Winter in seinem neuen Roman "Geronimo" Osama Bin Laden und Johann Sebastian Bach in Verbindung setzt. Wie das geht? Oberflächlich erzählt dieser "aberwitzige" Thriller von der Eliminierung Bin Ladens, der hier allerdings aufgrund einer Verschwörung überlebt, informiert der Kritiker, der sich gebannt durch die Schattenwelt von Spionen und Gegenspionen führen lässt. John Le Carle lässt grüßen, meint der Rezensent. Schließlich kommt Schümer dem Al-Qaida-Gründer ganz nahe und findet ihn beinahe sympathisch, wenn er für seine Gattin Halal-Vanilleeis besorgt. Wenn der nikotinsüchtige Bin Laden auf das Flüchtlingsmädchen Apana trifft, dem wegen ihrer Liebe zu Bachs Musik Hände und Ohren abgehackt wurden, wandelt sich der Agentenroman fast zu einem Märchen von "Armut und Dreck, Frömmigkeit und Gewürzdüften", meint der Kritiker, der dieses ebenso fesselnde wie "fabelhafte" Buch trotz einer Prise Kitsch empfehlen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.08.2016

Dass in Leon de Winters neuem Roman ein Terrorist namens Usama (sic!) bin Laden lebend gefasst wird, wundert Cornelia Geissler kaum, schließlich leben wir im Jahrhundert der Verschwörungstheorien. In diesem Buch, das "im Gewand eines knallharten Politthrillers" daherkomme, verknüpfe der Autor auf aufregende Weise die Schicksale eines US-Soldaten, eines afghanischen Mädchens und bin Ladens miteinander. Für die Rezensentin war das Geschehen zwischen den Kontinenten und Zeiten mitunter so rasant, dass sie zurückblättern musste, weil sie den Überblick verloren hatte. Als es um die Wirkung von klassischer Musik geht, schrammt Winter nach Geisslers Ansicht "an der Grenze zum Kitsch entlang, fängt sich aber auf der Seite der Kunst". Ansonsten scheint die Kritikerin sehr angetan zu sein von der Verquickung von Privatem und Politischem; für sie ist "Geronimo" ein "starker Roman für die Gegenwart".