Lawrence Norfolk

In Gestalt eines Ebers

Roman
Albrecht Knaus Verlag, München 2001
ISBN 9783813500851
Gebunden, 350 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Melanie Walz. Sechs Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erzählt ein jüdischer Dichter die kalydonische Jagd, einen der großen Mythen der griechischen Geschichte, ganz neu: Es ist Solomon Memel, der als Junge in Rumänien die "Säuberungen" der deutschen Truppen miterlebt hat. Seine Eltern fanden in Lagern den Tod, er selbst konnte dank der Hilfe Ruths, seiner großen Jugendliebe, nach Griechenland fliehen, in eben jene Gegend, wo einst der Eber wütete. Sol Memel schloss sich einer Partisanengruppe an, die sich um Geraxos und die Freiheitskämpferin Thyella bildete. Er geriet in Gefangenschaft, erlangte nach der Landung der Alliierten in Thessaloniki wieder die Freiheit und wurde daraufhin selbst zum Jäger.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.12.2001

Der Roman von Lawrence Norfolk hat einen ungewöhnlichen Aufbau, berichtet Eleonore Frey. Er umfasst drei Teile, einen mythischen, einen historischen und einen "ungestalten Raum", in verschiedener Länge, Tonart und Dichte. Am besten hat der Rezensentin der erste Teil gefallen, ein "hinreißend helldunkler Text", der von der Jagd auf einen kalydonischen Eber handelt. Hier sehe der Leser buchstäblich, das zeigten allein schon die 179 Anmerkungen über die antike Eberjagd, einen Mythos aus der Nacht der Zeiten aufsteigen. Der zweite Teil, eine Episode, die im Paris des Jahres 1970 spielt, macht auf Frey da einen eher konventionellen Eindruck. Ein besonderes Lob spendet die Rezensentin der Übersetzerin Melanie Walz, die eine beachtliche Spracharbeit geleistet und überdies in mühsamer Kleinarbeit und mit detektivischem Gespür antike und zeitgenössische Quellen aufgespürt habe. Dem Werk werde damit die Ehre zuteil, die ihm auch gebühre, freut sich Frey.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.09.2001

Ziemlich kühn findet Karl-Markus Gauß, wie Norfolk hier den Mythos von der kalydonischen Jagd auf den Eber und das Schicksal einiger Freunde aus dem habsburgischen Czernowitz miteinander verbindet. Kühn sind aber nicht nur Thema und Komposition, kühn ist auch die Ausführung: wie der Autor die mythische Jagd eher karg und abweisend referiert als gestaltet, wie er sein Buch mit 179 Fußnoten und über tausend Verweisen auf antike Autoren, Bildwerke, Sammlungen und Studien spickt, wie er schließlich "an der Biografie Paul Celans entlang erzählt" - alles um uns den Prozess der Formbarkeit von Geschichte zu verdeutlichen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de