Richard Strauss gilt als Fremdkörper in der Musik des 20. Jahrhunderts: Die einen subsumieren ihn unter dem Stichwort »Spätromantik«, die anderen erblicken in ihm einen Verräter an der Moderne oder auch einen durch sein Verhalten im Nationalsozialismus diskreditierten Opportunisten. Zugleich jedoch ist seine Musik in den letzten Jahren auf erstaunliche Weise in das Repertoire der Opernhäuser und Orchester zurückgekehrt. Laurenz Lütteken zeigt Strauss als Verkörperung seiner Zeit, der Moderne, und eröffnet somit einen neuen Zugang zum Verständnis seines Werks und seines Lebens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2014
Peter Hagmann lobt sich die pointiert kritische Herangehensweise des Autors an Adornos Diktum über Strauss. Dass es Zeit sei für ein neues Strauss-Bild, mit dieser Arbeit scheint es dem Rezensenten fast so. Auch, weil der Autor kreativ und subjektiv genug interpretierend zur Sache geht, wenn er die Modernität des Komponisten herausarbeitet und die Tondichtungen als Vorstufen der Opern ausweist, wie Hagmann erklärt. Laurenz Lüttekens chronologischer, werkimmanenter Essay lässt für den Rezensenten dort etwas zu wünschen übrig, wo das Lebensweltliche durchaus von Bedeutung wäre, etwa wenn es um die Verbindungen des Komponisten zum Nationalsozialismus geht.
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