Aus dem Französischen von Joseph Winiger. "Fern von euch" ist die Geschichte eines jungen Mannes, der aus der Enge der Provinz entflieht, aber auch in der Großstadt keine Freiheit findet. Sieben Stimmen beschreiben mit das Schicksal Lucs, dem mit der Heimat die Sprache abhanden kommt, über seinen Verlust zu reden. Er selbst, seine Eltern, der Onkel, die Tante und seine Cousine - sie alle mögen sich. Doch sie sind unfähig, sich dies gegenseitig zu sagen. Erst Lucs Freitod löst ihnen die Zungen ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.06.2002
Wenn Christoph Schröder vom Erfolg erzählt, der dem Buch in Frankreich beschert ist, scheint er zu sagen: recht so. Erstaunlich findet er die kompositorische und sprachliche Sicherheit dieses Romandebüts, in dessen Mittelpunkt der Freitod eines jungen Mannes steht. Für erstaunlich hält er, dass die polyphone Erzählweise (6 unterschiedliche Stimmen berichten in inneren Monologen vom Umgang mit diesem Tod) "kein schlüssiges Bild" ergibt, sondern in ihrer Mitte ein "beredtes Schweigen" bleibt - "assoziative Freiräume". Die Erzählstimmen bilden "auf subtile Weise ein Geflecht der Ratlosigkeit", das den Leser mit der "Wucht der Stille" trifft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2002
Rezensentin Klara Obermüller kann dem Romandebüt nicht viel abgewinnen, dessen Sujet - ein junger Mann verlässt sein Elternhaus, geht nach Paris und nimmt sich schließlich dort das Leben - in der französischen Literatur, wie die Rezensentin weiß, eine "lange Tradition" hat. Zwar attestiert Obermüller dem französischen Autor, dass ihm durchaus "Momente von großer Trauer" gelungen seien und sich dem Leser mitunter "abgrundtiefe Melancholie" mitteile. Doch leider überwiegt für die Rezensentin die "banale Alltäglichkeit", die hier ohne einen Blick über die engen Grenzen einer Familie hinaus geboten werde. Als besonders ermüdend empfindet sie dabei die "repetitive Eintönigkeit", mit der die sechs Stimmen, die die Geschichte in inneren Monologen erzählen, sich artikulieren und die einer "eigenwilligen Syntax" folgen. Dies mag, so die Rezensentin gelangweilt, die öde Atmosphäre wiedergeben, unter der der Protagonist leidet, aber angenehm zu lesen sei es eben nicht. Immerhin rechnet Obermüller es dem Autor "hoch" an, dass er bei allem "Weltschmerz", den er ausbreite, keinerlei Zynismus an den Tag lege.
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