Hedi Kaddour

Savoir-vivre

Roman
Cover: Savoir-vivre
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783821861364
Gebunden, 217 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Grete Osterwald. Hedi Kaddour erzählt die atemberaubende Geschichte eines Mannes, der ein unaussprechliches Geheimnis verbirgt - in einer Zeit, in der die äußere Erscheinung als Ausdruck innerer Haltung galt. London 1930: Der französische Journalist Max Goffard ist fasziniert von William Strether, einem hochdekorierten Helden des Ersten Weltkriegs - und perfekten Gentleman. Strether ist elegant, schneidig, er verkörpert geradezu das Ideal männlich-soldatischer Haltung. Als Goffard ihn trifft, arbeitet er als Maitre d'Hotel in einem Nobelrestaurant und hat sich einer faschistischen Splitterpartei angeschlossen, bei der er eine geistige Heimat zu finden hofft. Goffard will mehr herausfinden über diesen Mann, der trotz seiner Strenge etwas Schillerndes hat. Und tatsächlich vertraut Strether sich ihm an, erzählt ihm in langen Gesprächen seine Lebensgeschichte - fast so, als würde es ihn erleichtern. Doch warum sollte Strether, für den Ritterlichkeit und konservative Gesinnung höchste Werte sind, ausgerechnet die Nähe eines linksgerichteten Libertins wie Goffard suchen? Strether, das spürt Goffard, hat noch eine andere, verborgene Geschichte zu erzählen ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2011

Hedi Kaddours "Savoir-vivre" ist für den insolventen Eichborn-Verlag ein Lichtblick in düsteren Zeiten, meint Rezensentin Lena Bopp anerkennend. Der zweite Roman des tunesischstämmigen Franzosen greift teilweise auf das Figurenrepertoire seines Debüts "Waltenberg" zurück, wie Bopp feststellt: Einer der beiden Erzählstränge ist um den bereits bekannten Journalisten Max zentriert, der im London des Jahres 1930 über Tage hinweg ein Mitglied der British Fascist Leage zu seinem Leben befragt. Neu ist hingegen Gladys - eine, so die Rezensentin, "englische Emma Bovary" -, die an die falschen Männer gerät und unfreiwillig zur Überlebenskünstlerin wird. Beide Erzählstränge verstehe Kaddour bravourös miteinander zu verflechten, ja gegeneinander auszuspielen. Eine "alles umfassende Unsicherheit" ist laut Rezension die Folge. Ganz nach Manier Agatha Christies löse erst ein Ende voller Überraschungen das Geflecht auf und fordere den Leser zur erneuten Lektüre heraus.

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