Eine Reihe von Aufsätzen, Gedichten und Aphorismen nimmt mit scharfer Kritik und satirisch-polemischem Spott Justiz und Strafvollzug oder militärisches Denken ins Visier, so in dem Artikel - Der bewachte Kriegsschauplatz -, in dem der Satz - Soldaten sind Mörder - fällt. Wiederholt setzt er sich mit dem Katholizismus auseinander, insbesondere mit der 1931 erlassenen Enzyklika über die Ehe. Zu nennen sind nicht zuletzt jene Texte, in denen sich Tucholsky mit der politischen Kultur (Gleichschaltung der Medien Radio und Film, Zensurmaßnahmen) und der Stimmung im Deutschland der Wirtschaftskrise und der autoritären Notverordnungspolitik am Vorabend der nationalsozialistischen Machtübernahme beschäftigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2000
Thomas Rietzschel befasst sich in dieser Rezension weniger mit den einzelnen bisher erschienenen Bänden der Edition, sondern würdigt vielmehr die Gesamtleistung, die er bis zum jetzigen Zeitpunkt für sehr gelungen ist. Dabei weist er darauf hin, dass diese Ausgabe bei Vervollständigung wesentlich umfangreicher sein wird, als die bisher erschienenen Tucholsky-Editionen, und auch mehr Beiträge enthalten wird als in der Tucholsky-Bibliographie verzeichnet sind. Als besonders sinnvoll hebt er die chronologische Abfolge dieser Edition hervor, die nicht nur Tucholskys Werdegang als Journalist nachzeichnet, sondern auch gleichzeitig ein detailliertes Bild der Zeit malt. "Wie der endlose Essasy einer Epoche" erscheinen dem Rezensenten Tucholskys Aufzeichnungen. Dabei macht Rietzschel zahlreiche spannende Beobachtungen gerade in eher beiläufigen Schilderungen des Autors. Um dies zu veranschaulichen, zählt er deshalb einige Beispiele auf. Zwar räumt er ein, dass "so viel Tucholksy nicht jeder braucht", dennoch hält er gerade die Einbeziehung aller erreichbaren Briefe für eine der größten Verdienste dieser Edition.
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