Kurt Drawert

Der Körper meiner Zeit

Gedicht
Cover: Der Körper meiner Zeit
C.H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406698019
Gebunden, 206 Seiten, 21,95 EUR

Klappentext

Mit 96 Fotos. "Der Körper meiner Zeit" ist ein Langgedicht in fünf Teilen, eine fortlaufende lyrische Bewegung markierend, die die Jahreszeiten, bestimmte Orte und Themen miteinander verknüpft, das Begehren, die Liebe, das Nichts und den Tod. Und wie immer bei Drawert, die Möglichkeit des poetischen Sprechens überhaupt. In erzählerisch weit ausholenden Versblöcken, in freier oder gebundener Rede, melancholisch, ironisch oder sarkastisch, bildstark und reflektierend, wird aus diesem Körper der Sprache ein Körper der Zeit. Er nimmt die Verwerfungen des Gegenwärtigen auf wie die Sehnsucht nach Dauer und Anwesenheit des sprechenden, lyrischen Ichs. Ein starkes Motiv ist die Trauer um eine scheiternde, große Liebe, der im Innersten widerfährt, was auch in der Welt ist.  Beigeordnet ist eine Serie von Schwarz-Weiß-Fotos, die den Blick vom Schreibtisch auch zu einer Topografie des Textes werden lässt: "Blicke auf nichts".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2017

Rezensent Wolfgang Schneider liest Kurt Drawert Gedichtband als "Vademecum für geplünderte Herzen". Derart viel Melancholie und Gegenwartsbitternis auf einmal findet er zwar nicht immer leicht zu ertragen. Insgesamt aber scheint ihm Drawert mit seinem trockenen Humor, seinen geschliffenen Sentenzen und starken Bildern doch höchst entdeckenswert. Das zu erkundende fast reimlose Langgedicht in 88 Abschnitten besticht laut Schneider durch eine glaubwürdige Bebilderung des Vergänglichen und ungenauer Gefühle des Leidens am Zeitgeist. Die Unversöhnlichkeit steht diesem Dichter gut, versichert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.01.2017

Für Rezensent Eberhard Geisler ist Kurt Drawerts neues Langgedicht "Der Körper meiner Zeit" geradezu eine Offenbarung: Wie zu "Lyrik angeordnete Prosa" erscheint dem Kritiker das Werk, das noch einen letzten Willen zur Poesie, aber längst keine Harmonie mehr in sich trägt und dabei doch "Wachheit" lehrt, schwärmt Geisler. Er streift mit dem Dichter durch den öden Alltag in einem Dorf im Odenwald, lauscht den Nachbarn und den Bauern am Stammtisch, sucht den Sinn und findet den Untergang und staunt doch über die wendungsreichen, scharfen und "plastischen" Bilder und Formulierungen, die Drawert findet, um sich in der Tradition Heideggers dem rationalen Zugriff auf die Wirklichkeit zu widersetzen. Drawerts "beredte Tintenkleckse" versprechen "erektile Momente" von ewiger Gültigkeit, versichert der Rezensent.
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