Norbert Scheuers Kunst, aus den scheinbar kleinen Leuten und Dingen, Stimmungen und Landschaften der Provinz den poetischen Weltalltag herauszudestillieren, hat ihren Anfang mit Gedichten genommen. Lakonisch und genau, Ausdruck einer feinen und unbestechlichen Wahrnehmung, die weder schönt noch verklärt, weder die Geschichte noch die Technik ausspart, schlagen die Beobachtungen und Eindrücke, die Gedanken und Epiphanien in diesen Gedichten in Liebe um. Die Materialität einer mitunter ländlichen und kleinstädtischen Welt verwandelt sich ins Geisterhafte, die Natur wirkt belebt, aber bleibt ganz bei sich. Die Dichte und Prägnanz dieser Lyrik, ihre Stille und Dinghaftigkeit, die Nähe zum Alltag, das Empfinden für Geschichte, die sich zur Naturgeschichte weitet, erinnern nicht zufällig an den großen amerikanischen Lyriker William Carlos Williams, dessen Gedichte eines der Vorbilder für Scheuers Arbeiten sind.
Rezensent Andreas Wirthensohn begrüßt diesen Gedichtband mit "neuen Heimatgedichten" von Norbert Scheuer. Neben Arnold Stadler und Andreas Maier zählt er den Autor zu den bedeutendsten Heimatdichtern der Gegenwart. Sie stehen seines Erachtens für eine Heimatdichtung, auf die die negativen Assoziationen, die sich bei diesem Begriff immer noch einstellen, nicht zutreffen. Bei Scheuer zeigt sich für ihn, dass Heimatliebe "harte Arbeit", dass Heimat ein "luftiges, vielschichtiges und stets nur temporäres Konstrukt" ist. Scheuers Gedichten zeichnen sich für ihn aus durch ihre Poesie aus Wahrnehmung und Erinnerung mit einer Anschauung von Natur, Dorf, Geschichte, die über sich hinausweist auf die großen Themen des menschlichen Daseins.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2011
Dass es ständig regnet in dieser Gegend, macht Angelika Overath nichts aus, solange ihr Fremdenführer Norbert Scheuer heißt. Für Overath besteht kein Zweifel: Die Region Eifel als Heimat zu verstehen, ist nicht leicht. Ebenso auf Heimat Frische zu reimen, dem Heimatgedicht also eine unsentimentale, nicht gemütliche Färbung zu geben, wie es Scheuer hier gelingt. Ferner schätzt Overath die tastende Bewegung dieser Verse, die das Ich bei der ständigen Orientierung begleiten, um am Ende doch gerade das Bleiben als Utopie zu feiern.
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