Es gibt eine klare Wahl: ein Mehr an staatlicher Bevormundung oder ein Mehr an bürgerlicher Eigenverantwortung. Je länger diese Entscheidung vertagt wird, desto kostspieliger wird sie. Denn der derzeitige Kurs immer expansiverer Ansprüche an den Staat überfordert diesen und führt geradewegs in die Erosion unserer freiheitlichen Grundordnung. Demgegenüber verficht Biedenkopf das Prinzip der Subsidiarität: Staatliche Aufgaben sind soweit wie möglich durch die jeweils kleinere Einheit wahrzunehmen, Entscheidungen sind dort zu treffen, wo sie unmittelbare Auswirkungen haben. Nur so können Zentralismus und Bürokratismus verhindert, mehr Bürgernähe ermöglicht, Engagement und Motivation der Bürger gestärkt werden. Nur so können Deutschland und Europa die Stürme des 21. Jahrhunderts bestehen. Diese Weichenstellung Abkehr vom Irrweg des vormundschaftlichen Staates, Hinwendung zur sich frei entfaltenden Zivilgesellschaft ist Aufgabe der jetzt an die Schalthebel der Macht drängenden Generation.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2011
Als kämpferische Verteidigung der Bürgerfreiheiten liest Karl-Rudolf Korte dieses Buch von Kurt Biedenkopf. Im Mittelpunkt sieht er eine kritische Auseinandersetzung mit der Ausbreitung des Sozialstaates in den letzten Jahrzehnten, die dem Prinzip der Subsidiarität widerspreche. Diese Kritik geht laut Korte einher mit der Bewunderung für Ludwig Erhards Soziale Marktwirtschaft. Nicht alles lässt sich aber in seinen Augen auf die Erwartungshaltung der Bürger an den Sozialstaat schieben. Die gegenwärtige Staatsbedürftigkeit scheint ihm auch ein Ergebnis von Finanz- und Umweltkrisen. Er schätzt Biedenkopfs Buch wegen seiner Verständlichkeit und nicht zuletzt wegen seines "meinungsstarken Credos", das zur Diskussion einlädt.
Fast schon zynisch findet Rezensent Mathias Greffrath dieses Buch des CDU-Politikers Kurt Biedenkopf, der darin gegen die "Zumutungen" des Sozialstaat anschreibt. Dieser ersticke den freien Markt, die Steuerlast der oberen zehn Prozent sei untragbar geworden, dabei müsse die politische Loyalität des "kleinen Mannes" zur Bundesrepublik gar nicht mehr durch Sozialpolitik erkauft werden, er sei jetzt demokratisch mündig - so umreißt Greffrath in etwa die Thesen des Buches. Angesichts einer "schrankenlos gewordenen Wirtschaft" findet der Rezensent dies alles ziemlich hanebüchen, auch vermisst er Belege. Die Zahlen jedenfalls, meint Greffrath, geben das, was Biedenkopf schreibt, nicht her. Für den Rezensenten ein Versuch, die "Preisgabe von Staat und Gesellschaft mit Freiheitsrhetorik zu verbrämen".
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