Christoph Menke (Hg.), Juliane Rebentisch (Hg.)

Kreation und Depression

Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus
Cover: Kreation und Depression
Kadmos Kulturverlag, Berlin 2011
ISBN 9783865991263
Gebunden, 252 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Gilles Deleuze, Luc Boltanski, Eve Chiapello, Alain Ehrenberg, Axel Honneth, Carl Hegemann, Ulrich Bröckling, Andreas Reckwitz, Diedrich Diederichsen, Tom Holert, Dieter Thomä, Juliane Rebentisch, Robert Pfaller, Michael Makropoulos, Christoph Menke, Rene Pollesch. Eigenverantwortung, Initiative, Flexibilität, Beweglichkeit, Kreativität sind die heute entscheidenden gesellschaftlichen Forderungen, die die Individuen zu erfüllen haben, um an der Gesellschaft teilnehmen zu können. Sie haben das alte Disziplinarmodell der Gesellschaft ersetzt, ohne dabei freilich die Disziplin abzuschaffen. An die Stelle einer Normierung des Subjekts nach gesellschaftlich vorgegebenen Rollenbildern ist der unter dem Zeichen des Wettbewerbs stehende Zwang zur kreativen Selbstverwirklichung getreten. Es scheint, dass sich Einstellungen und Lebensweisen, die einmal einen qualitativen Freiheitsgewinn versprachen, inzwischen so mit der aktuellen Gestalt des Kapitalismus verbunden haben, dass daraus neue Formen von sozialer Herrschaft und Entfremdung entstanden sind.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.08.2011

Rezensentin Christina Nord weiß diesen von Christoph Menke und Juliane Rebentisch herausgegebenen Band über "Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus" zu schätzen. Die Autoren - darunter Diedrich Diederichsen, Rene Pollesch, Luc Boltanski, Eve Chiapello, Axel Honneth und Alain Ehrenberg - analysieren ihres Erachtens überzeugend die Veränderungen des Kapitalismus sowie mögliche Formen von Kritik daran. Die Reflexion möglicher Kritik scheint ihr heute besonders wichtig, insofern der Kapitalismus dazu tendiere, sich die Kritik geschickt einzuverleiben. Deutlich wird für sie etwa, wie die Sprache des Neoliberalismus Unfreiheiten und Zwänge in ihr Gegenteil uminterpretiert. Besonders hebt sie Rebentischs differenzierte theoretische Auseinandersetzung mit dem Freiheitsbegriff und seine Vereinnahmung durch den Neoliberalismus hervor.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.06.2011

Es ist selbstverständlich ein Irrtum zu denken, wir seien frei. In Wahrheit sind wir nichts weiter als die Marionetten der Verwertungsinteressen des Kapitals, das uns als spontane Entscheidung einredet, was nur seinen Dispositionen gehorcht. Foucault und Deleuze waren die Philosophen, die sich mit irgendwelchen Kunstgriffen aus diesem Bann lösten und dann doch ganze Generationen akademischer Nachfahren erzeugten, die denken wie sie - so der erleichterte Rezensent Thomas Assheuer, der dem vorliegenden Band manches Rezept entnimmt, wie zum Beispiel Künstler, deren Kreativität von den Einflüsterungen des Kapitals natürlich ebenfalls längst eingemeindet ist, sich aus dem "inneren Vakuum des weltlosen, seiner selbst überdrüssigen Konsumentensubjekts" wieder lösen können. Ein Glück, wir hatten uns schon Sorgen gemacht!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2011

Armer flexibler Mensch. Tomasz Kurianowicz bekommt Mitleid mit dem zwischen Kreation und Depression aufgehängten Individuum unserer Zeit. Was die Sozialwissenschaftler Christoph Menke und Juliane Rebentisch mit diesem Sammelband an Einsichten in die Qual der Freiheit auftischen, lässt unseren Rezensenten aufhorchen. Etwa wenn Luc Boltanski auf die Fährnisse von Zeitarbeit hinweist oder Axel Honneth den Umschlagspunkt von Individualisierung in Isolation bestimmt. Wie es uns ergeht, erfährt der Rezensent auch beim Depressionsforscher Alain Ehrenberg, etwas abstrakt, findet er zwar, aber schließlich gibt es jede Menge konkrete Beispiele, man braucht sich nur umzusehen.