Herausgegeben von Natalia Bakshi, Dirk Kemper und Pawel Zajas. Profit oder Engagement? Bücher aus Osteuropa im Suhrkamp-VerlagsprogrammDer angloamerikanische Raum war bedeutender, der französische und der lateinamerikanische auch. Wie wichtig aber waren Bücher aus Osteuropa für den Suhrkamp-Verlag zwischen 1950 und 2000? Vor allem von Mitte der sechziger bis Mitte der achtziger Jahre war Suhrkamp ein Leitmedium in der deutschen Verlagslandschaft, ein Haus, das für sich programmatisch in Anspruch nahm, "mit zeitdiagnostischer Sinnlichkeit" zu operieren und so geistige, gesellschaftliche, kulturelle Veränderungen abzubilden und zu repräsentieren. Ab wann und warum engagierte man sich im Bereich der russischen, polnischen oder tschechischen Literatur?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2019
Rezensent Ulrich M. Schmid hat diesen Forschungsband offenbar mit Gewinn gelesen, zumindest berichtet er recht angeregt von seiner Lektüre. Schmid erfährt, wie sich der Suhrkamp Verlag unter Siegfried Unseld der osteuropäischen Literatur zuwandte, wie er Polen im Gegensatz zur Sowjetunion als "Inbegriff literarischer Schaffenskraft" betrachtete und sich um Autoren wie Czelaws Milosz und Zbigniew Herbert bemühte, die erst noch über Unselds "Junker-Mentalität" lästerten, bis er ihnen großzügig die Honorare aufstockte. Schmid erfährt auch einiges über die maßgeblichen Lektoren von Peter Urban bis Katharina Rabe, über das Fehlen eines informellen Literaturbetriebs in der Tschechoslowakei und wie der Suhrkamp Verlag seinen Starautor Milan Kundera verlor. Schmid spießt dabei viel Vokabular des Kalten Krieges auf - Osteuropa-Strategie, Überwachung der Literatur -, ohne genauer darauf einzugehen. Auch mit einem Urteil hält der Rezensent hinterm Berg.
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