Mit Audio-CD. "Es sich schwer machen und dann die Täuschung der Leichtigkeit darüber breiten das ist das Kunststück, welches sie uns zeigen wollen." Was Nietzsche über die griechischen Künstler und Dichter sagt, trifft auch auf die Arbeit von Schauspielern, Musikern und Übersetzern zu. Sie alle wissen, was es heißt, wenn etwas nach langem Üben und Probieren endlich "stimmt". Gemeinsam ist ihrer Arbeit die Interpretation eines Textes, der sich in einem nachschöpferischen Prozess in etwas anderes verwandelt: in die Darstellung auf der Bühne, in eine Studioeinspielung, in ein Buch. Dass Sprechkunst und Klangkunst, die stimmliche Darstellung von Texten und musikalische Aufführung sich als Übersetzungen einer Notation in einen zeitlichen Verlauf fassen lassen, leuchtet unmittelbar ein. Die Resultate, greifbar in Tondokumenten, sind Gegenstand der Interpretationsgeschichte, wie die Übersetzungen kanonischer Texte auch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.09.2008
Sichtlich inspiriert hat Rezensent Burkhard Müller diesen von Gabriele Leupold und Katharina Raabe herausgegebenen Tagungsbericht gelesen. Die Beiträge stellen für ihn einen wichtigen Beitrag zur Kulturtheorie dar, nämlich zum Projekt einer "allgemeinen Ästhetik". In dem Bericht wird auf die bisher noch kaum wahrgenommenen Ähnlichkeiten zwischen den kulturellen Praktiken von Musikern, Schauspielern und Übersetzern hingewiesen. Sie alle "tanzen in Ketten", geben sich den Einschränkungen der Vorgabe hin, aber verhelfen dieser mit "Obsession" und "unstillbaren Drang" zu neuem Leben, erklärt Müller. Die interpretative Praxis, so laute die Hauptthese, rege interpretative Kunst an, und sei alles andere als bloße Reproduktion. Neben Einführungen der einzelnen Künste biete der Band auch Aufsätze, in denen es um die Metaphorik, um die Erfahrungen der Künstler bei ihrem Schaffen geht. Ein "Sachverhalt, dessen Vermittlung unvermeidlich in ein methodisches Dilemma gerät", wenn zum Beispiel ein Schauspieler von seinem "inspirierten Wissen", seiner Art zu Erkennen spricht. Trotzdem hält Müller das Buch für einen Gewinn, allein um neue Querverbindungen zu erkennen.
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