Die "Integrationsdebatte" nach Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" offenbarte ein Paradox - eine wachsende Akzeptanz des kulturellen Pluralismus, besonders unter jüngeren Menschen, und zugleich massive kulturelle Ressentiments in der Einwanderungsgesellschaft. Der renommierte Migrationsforscher und Politikberater Klaus J. Bade beleuchtet Ursachen, Hintergründe und bedrohliche Folgen dieser paradoxen Spannung. Ihr Ergebnis ist eine gefährliche Ersatzdebatte anstelle der verdrängten Diskussion um die neue Identität in der Einwanderungsgesellschaft.
Deutliche Worte attestiert Rezensent Daniel Bax dem Migrationsexperten Klaus Bade, der vier Jahre Vorsitzender des "Sachverständigenrats deutscher Stiftungen Integration und Migration" war. Dessen Buch "Kritik und Gewalt" sieht er als eindringliche Warnung vor "hauptberuflichen Islamkritikern" wie Necla Kelek, Thilo Sarrazin und Henryk Broder. Der Autor äußere die Befürchtung, dass die eifrig geschürten Ressentiments in Gewalt umschlagen könnten. Der Politik und den Medien halte er vor, nichts aus der NSU-Mordserie und der Sarrazin-Debatte gelernt zu haben. Bax hebt insbesondere Bades Forderung nach einer Debatte über eine "neue kollektive Identität in der Einwanderungsgesellschaft" hervor. Doch alles in allem beschränkt sich Bax auf eine reine Nacherzählung des Buchinhalts.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.02.2013
Mit erkennbarer Sympathie bespricht Roland Preuss dieses Buch von Klaus Bade, den er als Migrationsforscher sehr schätzt und auch als Autor, der voller "Schrecken und Ekel" die Debatte Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" bilanziert. Dabei setzt Bade Islamkritiker wie Necla Kelek, Henryk M. Broder oder Ralph Giordano nicht nur in Anführungszeichen, sondern sieht in ihnen ein regelrechtes Agitationskartell, von dem Bade laut Rezensent den Bogen zu Anders Breivik spanne und sogar zu den zeitlich vorangegangenen Morden der NSU. Zwar bedauert Preuss etwas, dass Bade nicht die problematischen Seiten der Zuwanderung zur Sprache bringt, aber gravierend findet er dies nicht.
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