Bärbel Beinhauer-Köhler, Claus Leggewie

Moscheen in Deutschland

Religiöse Heimat und gesellschaftliche Herausforderung
Cover: Moscheen in Deutschland
C. H. Beck Verlag, München 2009
ISBN 9783406584237
Kartoniert, 560 Seiten, 12,95 EUR

Klappentext

Mit meist farbigen Fotos. Moscheen in Deutschland sind meist in Hinterhöfen oder Gewerbegebieten versteckt. Seit einigen Jahren werden aber auch repräsentative Moscheen gebaut. Heftige Konflikte sind die Folge. Was für die einen religiöse Heimat und Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins ist, macht den anderen Angst. Dieses Buch will zur Versachlichung der Debatte beitragen und Lösungswege aufzeigen. Bärbel Beinhauer-Köhler blickt auf die mehr als 200jährige Geschichte von Moscheen in Deutschland zurück. Sie erläutert die Funktion von Bauelementen und beschreibt das Alltagsleben in Moscheen. Der muslimische Architekt Alen Jasarevic erzählt von seinen Erfahrungen mit einem Moscheebau in Bayern. Claus Leggewie schließlich betrachtet die jüngsten Konflikte genauer: Worum geht es den Beteiligten wirklich? Was sollte bei Moscheebauten beachtet werden, um einen Kampf der Kulturen in unseren Städten zu vermeiden? Moscheen sind zur Nagelprobe für die Integration von Muslimen geworden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2009

Als Lektüre, die eine kritische Debatte um Moscheen und Moscheenbau in Deutschland befördert, möchte Stefan Luft dieses Buch empfehlen. Auch wenn er manch wichtige Frage (etwa zum Umgang mit Abschottung und Repression) hier nicht behandelt sieht, lobt er doch den kritischen Ansatz der Autoren Claus Leggewie und Bärbel Beinhauer-Köhler. Laut Luft sind die Beiträger bemüht, die öffentliche Debatte darzustellen, die Rolle der verschiedenen Akteure und Interessengruppen zu analysieren und dem Leser Einblicke in Architektur und Religionsgeschichte zu vermitteln sowie Handlungsempfehlungen in puncto Transparenz mitzugeben.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2009

Ein Buch mit aktuellem Bezug, das methodische Analyse betreibt und sogar konkrete Handlungsvorschläge macht, hat Stefanie Schoene gelesen. Was die Islamwissenschaftlerin Bärbel Beinhauer-Köhler und der Politologe Claus Leggewie hier zum Thema "Moscheen in Deutschland" schreiben, bietet der Rezensentin Ängste abbauende Einblicke in die Geschichte der Orientbegeisterung, einfühlsame Erörterungen zu den aktuellen Moscheen-Debatten, aber auch die ein oder andere historisch-philologische Nuss zu knacken. Leggewies Beitrag liest Schoene als schnörkellosen politischen Essay, der die Projektionen in den Konflikten benennt und die Gemeinsamkeiten herausarbeitet.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2009

Ernst-Wolfgang Böckenförde fragt nach den Ursachen für die Konflikte, die aus dem Bau von Moscheen in Deutschland immer wieder entstehen. Laut Böckenförde finden die Beiträger des vorliegenden Sammelbandes (u. a. Claus Leggewie) nicht nur auf diese Frage Antworten. Mit seiner "kundigen" und von "eindrucksvollen" Bildern begleiteten Darstellung der Tradition des Moscheebaus in Deutschland sowie anhand von Fallbeispielen aus Köln, Frankfurt, München und Berlin leisten die Texte für Böckenförde echte Konfliktbewältigung. Was sich zur Deeskalation beitragen lässt, ob im Bauplanungsrecht oder bei bestehenden Abwägungspflichten - hier kann man es nachlesen, meint Böckenförde hoch erfreut.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2009

Der mit dem Kürzel "moh" zeichnende Rezensent begrüßt nachdrücklich den Sammelband über Moscheen in Deutschland, weil er darin einen positiven Beitrag zum Dialog zwischen Muslimen und Nichtmuslimen erkennt. Während gewisse politische Kräfte in der Debatte um den Bau von Moscheen in Deutschland die Ängste in der Bevölkerung bewusst schüren und die islamischen Gotteshäuser vor allem als "Machtsymbol" interpretieren, will dieser Band aufklären und den Blick für die moderne Moschee als städtebauliche Bereicherung und wichtige gemeinnützliche Institution öffnen, so der Rezensent einverstanden. So bekomme man nicht zuletzt durch die vielen architektonischen Beispiele und die Fallgeschichten über gelungene und weniger gelungene Auseinandersetzungen um Moscheebauten einen erhellenden Einblick in das Thema, lobt "moh". Dabei hebt der Rezensent als besonders positiv hervor, dass der Band die "konstruktive Auseinandersetzung" sucht und somit einen wichtigen Schritt zum Abbau von Vorurteilen und Ängsten darstellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.05.2009

Kritisch äußert sich die hier rezensierende Soziologin Necla Kelek über dieses Buch "Moscheen in Deutschland", das der Direktor des kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, Claus Leggewie, und die Religionswissenschaftlerin Bärbel Beinhauer-Köhler vorgelegt haben. Schiene ihr das Buch nicht symptomatisch für einen "bestimmten Teil der politischen Debatte in Deutschland", wäre es in ihren Augen nicht weiter interessant, abgesehen vielleicht von dem lobenswerten Überblick über die Geschichte des Moscheebaus in Deutschland, den Beinhauer-Köhler im ersten Teil des Buchs gibt. Mit Leggewies Teil dagegen geht Kelek scharf ins Gericht. Sie sieht darin nicht die "Versachlichung der Debatte um den Islam", wie vom Autor intendiert, sondern eine "Aufbereitung kulturrelativistischer alter Feze unter Auslassung der sozialen Realität und gleichzeitiger Denunziation der Gegner". U.a. tadelt sie Leggewie dafür, sie verkürzt zitiert zu haben, nur ihren Satz "Der Islam ist nicht integrierbar" wiederzugeben, den Satz "der einzelne Muslim aber sehr wohl" aber zu unterschlagen. Kritisch geht Kelek auf den politischen Islam und dessen starken Einfluss ein und hält Leggewie in dieser Hinsicht Naivität vor. Auch dass dieser die Diskussion um den Islam auf ein Vermittlungsproblem reduzieren will, scheint ihr völlig an der Realität vorbeizugehen. Dabei will sie den Anspruch der Muslime auf Moscheen nicht in Abrede stellen. Allerdings bleibt für sie die Aufgabe, gleichzeitig "konsequent dem politischen Islam entgegenzutreten".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.05.2009

Interessiert stellt Matthias Arning das Buch "Moscheen in Deutschland" vor, das der Politikwissenschaftler Claus Leggewie im Auftrage der bei diesem Thema offenbar sehr engagierten Herbert-Quandt-Stiftung herausgegeben hat. Die Autoren rekapitulieren darin einerseits die Geschichte des Moscheenbaus in Deutschland, von den Gebetshäusern im Hinterhof bis zu den inzwischen recht repräsentativen Bauten an Rhein und Ruhr, geben andererseits aber auch Handlungsweisen, wie die verschiedenen Beteiligten in die Diskussionen um die Bauten angemessen und sinnvoll einbezogen werden können.