Katja Lange-Müller

Die Enten, die Frauen und die Wahrheit

Erzählungen und Miniaturen
Cover: Die Enten, die Frauen und die Wahrheit
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2003
ISBN 9783462032154
Gebunden, 247 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Katja Lange-Müller hat sich hineinbegeben in das Leben, hingesehen und zugelangt - und dann darüber geschrieben. Entstanden sind Texte der besonderen Art, die einem ihrer Lieblingsobjekte gleichen - den Pilzen: Sie wölben sich am Hut, stülpen sich aus und lassen sich sammeln, doch in der Tiefe bilden sie ein verzweigtes Geflecht, das sie zusammenhält und das weiter wächst. In ihren kunstvollen, von Fabulierlust vorangetriebenen Erzählungen geht es um Artverwandtes und -fremdes, um Tiere im Zoo und in freier Wildbahn, um Städte und Wälder, um amerikanische Baseballstadien, südamerikanische Strände und Berliner Bezirke, vor allem aber um die Wesen, die diese Orte bevölkern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.08.2003

Nahezu beglückt zeigt sich Rezensent Rolf-Bernhard Essig von Katja Lange-Müllers neuem Band mit Erzählungen und Miniaturen. Denn die Autorin besitzt die unschlagbare Fähigkeit, schwärmt Essig, bei all den Alltagsdramen, bei all den erzählten "urban legends" und erfundenen Geschichten, die Tag für Tag millionenfach erzählt werden, ruhig hinzuhören, genau hinzusehen und Herz und Verstand zu gebrauchen. Auch dem Berliner Charme der Autorin kann sich Rezensent Essig offensichtlich nicht entziehen. Und als würde das noch nicht für einen ordentlichen Geschichtenband ausreichen, versichert ein ganz und gar seliger Rezensent auch noch, dass die Frau schreiben kann: lebendig, sinnlich und unmittelbar. Und so macht Lange-Müller, wie der Rezensent frohlockt "aus Gehörtem, Erfundenem und Überlieferten Kunst".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2003

Schon den Titel dieses Bandes mit Erzählungen findet Martin Krumbholz "spannend", weil er drei so verschiedenen Dinge zusammenbringt. Der Rezensent verrät immerhin soviel, dass die "Lösung" des Titelrätsels "sexueller Natur" ist. Die einzige Erzählung, die er näher betrachtet, handelt allerdings nicht von Sex, sondern von einer Geschichte, die die Erzählerin ihrem todkranken Kollegen, dem Dramatiker Heiner M., erzählt. Dieser, so der Rezensent verwundert, hat entweder nichts verstanden oder er dekonstruiert bewusst die Geschichte seiner Besucherin. Dabei, so Krumbholz angetan, ist die am Krankenbett erzählte Geschichte von der "Ente in der Flasche" für sich genommen schon "interessant genug". Er lobt die Autorin dafür, sich nicht "beirren" zu lassen, sondern genau hinzuschauen in ihren Schilderungen. In diesem Buch zeigt sich Lange-Müller weniger als "Erfinderin" denn als "Berichterstatterin", urteilt Krumbholz, die in diesen Erzählungen ihren "ureigenen Blick" behauptet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003

Höchst vergnüglich hat sich für Martin Lüdke dieses Sammelsurium aus Reiseberichten, Glossen, Satiren, Skizzen und Gelehrtem gelesen. Dies liege vor allem daran, dass Katja Lange-Müller eine ganze Bombenladung an Pointen und Kalauern abfeuere. Das geht Lüdke zwar manchmal auf die Nerven, aber er meint, dahinter eine "tief sitzende Verzweiflung" und mithin Strategie zu erkennen: "Um nicht pathetisch zu wirken", witzele sich Lange-Müller "über den wahren Wahnsinn hinweg". Vor allem zwei Lehren hat der Rezensent den Geschichten entnommen. Erstens, dass keine Erkenntnis es wert ist, sich dafür von einem Lehrer demütigen zu lassen. Und zweitens: Selbst wenn etwas stimmt, muss es noch lange nicht richtig sein.
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