Kathrin Hartmann

Wir müssen leider draußen bleiben

Die neue Armut in der Konsumgesellschaft
Cover: Wir müssen leider draußen bleiben
Karl Blessing Verlag, München 2012
ISBN 9783896674579
Kartoniert, 416 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Immer mehr Bürger in Deutschland sind vom wirtschaftlichen Reichtum des Landes ausgeschlossen. Nicht nur Arbeitslose oder Rentner, auch viele Menschen, die sich in einer Endlosspirale von Billigjobs und Zeitarbeit befinden. Früher konnten sie sich nicht nur der sozialstaatlichen Unterstützung, sondern auch einer gewissen Solidarität sicher sein. Doch damit ist es nun vorbei. Wer nicht mehr mitkommt in unserer Wirtschaft, ist selber schuld. Reflexhaft werden ihm Bildung, soziale Kompetenz oder gar der Arbeitswille abgesprochen. Die Intellektuellen gewöhnen sich an, die Verlierer der entfesselten Konkurrenz nach ästhetischen Kriterien ( Billigkonsum und Unterschichten-TV ) abzuurteilen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.06.2012

Kathrin Hartmanns Buch über die "neue Armut in der Konsumgesellschaft" zeichnet sich für Rezensentin Eva Völpel durch eine "sympathische Portion Wut" aus. Der Autorin verbindet für sie überzeugend Vor-Ort-Beobachtungen und Reflexion. Besonders hebt sie Hartmanns kritische Auseinandersetzung mit der "Philanthropisierung des Reichtums" hervor. Phänomene wie die Entstehung von Gated Communities in Berlin und die Tafeln oder auch Konzepte wie das des "Social Business" werden einer beißenden Kritik unterzogen. Völpel bescheinigt der Autorin, die steigende Ungleichheit samt den ideologisch-politischen und kulturell-habituellen Begleiterscheinungen eindringlich aufzuzeigen. Deutlich wird für Völpel, dass die Ideen des "Social Business" wie auch die Vergabe in den Entwicklungsländern nicht der Armutsbekämpfung, sondern der Profitmaximierung dienen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2012

Dieser Ton! Weinerlich, vorwurfsvoll und zynisch zugleich, das kann Maximilian Weingartner nur schwer ertragen. Die von der Autorin konstatierte zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich will er ja nicht in Zweifel ziehen. Aber wenn schon statt Analysen Anekdoten über Gated Communities als Nachweis für den Befund dienen sollen, meint er, dann doch bitte weniger Schmollen beim Schreiben. Kathrin Hartmanns pauschale Urteile über Marktfreiheit, Sarrazin und ehrenamtliche Hilfe sorgen überdies dafür, dass er der Autorin nicht glaubt. Schließlich, schreibt Weingartner, bediene sie sich der gleichen Mittel, die sie ihren Gegnern vorwerfe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.04.2012

Ein wütendes Buch über die Armut und ihre Bekämpfung hat Kathrin Hartmann geschrieben, daran lässt Rezensentin Elke Brüns keinen Zweifel. Mitunter verheddere sich die Autorin bei ihrer Argumentation und verliere zwischen Deutschland und Bangladesch auch mal den Faden, räumt Brüns ein, nimmt das aber der Autorin nicht weiter übel. Viel hat sie erfahren über die zunehmende Umverteilung in Deutschland zwischen Armen, die an "Tafeln" mit den Abfällen von Lidl abgespeist werden, und einer Elite, die weniger auf Leistung als auf Herkunft gründet. Und über das fatale System der Mikrokredite in Bangladesch, mit dem etwa die Deutsche Bank inzwischen Renditen von 9,5 Prozent erzielt.

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