Katharina Hacker

Skip

Roman
Cover: Skip
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783100300652
Gebunden, 384 Seiten, 21,99 EUR

Klappentext

In der Mitte seines Lebens macht der israelische Architekt Skip Landau eine Erfahrung, die er mit niemandem teilen kann: Eine innere Stimme ruft ihn an Orte, wo wenig später eine Katastrophe geschieht - ein Zugunglück in Paris, ein Flugzeugabsturz in Amsterdam. Offenbar soll er einzelne Sterbende auf ihrem schwierigen Weg in den Tod begleiten. Aber was soll, was kann er tun? Nicht viel mehr, als da zu sein und ihnen ein wenig Gesellschaft leisten, stellt er ernüchtert fest. Die Aufgabe, die er sich nicht ausgesucht hat, belastet seine Ehe und lässt die Familie in Tel Aviv fast auseinanderbrechen. Spät versteht er, dass er nicht nur die Sterbenden in den Tod, sondern auch seine Söhne ins Leben führen muss - und sich dazu. Katharina Hackers Roman steht nicht in Beziehung zum Figurenkosmos der vorausgegangenen Romane 'Alix, Anton und die anderen' und 'Die Erdbeeren von Antons Mutter', sondern erschafft eine eigene Welt. Seine Schauplätze sind Paris, Tel Aviv, Amsterdam und Berlin, sein Thema aber ist universal: Wo ist unser Ort auf der Welt, wo ist unser Ort im Leben?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2015

Martina Läubli kennt und schätzt das feine Sensorium der Autorin für Beziehungen. In ihrem neuen Roman lässt Katharina Hacker die Rezensentin wiederum davon profitieren, indem sie ihren in Israel lebenden Ich-Erzähler nicht nur über existenzielle Fragen sinnieren lässt, sondern in Rückblenden auch dessen Beziehung zu den Lebenden und den Toten erkundet. Das gelingt laut Läubli auf virtuose Weise. Dass damit ein Raum erzählerisch eröffnet wird, in dem Leben und Sterben koexistieren, scheint der Rezensentin bemerkenswert, auch wenn die Autorin mitunter allzu viel Symbolik bemüht, wie Läubli einwendet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2015

Carsten Hueck zeigt sich begeistert von Katharina Hackers neuem Roman, mit dem sich laut Rezensent ein Kreis schließt: von Hackers die Liebe zur Stadt umkreisenden Debüterzählung "Tel Aviv" bis zu diesem Text, der laut Hueck sinnlich-präzise und gelassen zugleich Historisches und Gegenwärtiges zu Israel versammelt, aber eben auch Abschied nimmt und die Hoffnungslosigkeit beschreibt. Meisterlich scheint Hueck Hackers Poesie inmitten des realistischen, faktenreichen Textes über das Leben eines israelischen Architekten und seine innere Heimatlosigkeit. Für ihn eines der besten Bücher des Herbstes.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.08.2015

Nicht nur Katharina Hackers neuer Roman heißt "Skip", auch dessen Protagonist trägt den eigentümlichen Namen, berichtet Rezensent Burkhard Müller. Und nicht umsonst, verrät Müller, denn Skip verkörpere eben die übersprungene Mitte, die Auslassung: Skip lebt als Jude in Israel, hat aber keine jüdische Mutter, er ist Vater zweier Kinder, die er nicht gezeugt hat, und er hat das Gefühl, nicht wirklich und eigentlich zu leben, fasst Müller zusammen. Also lässt Hacker Skip kräftig am Leben leiden, die Alltagsdinge und konkrete Ereignisse missachten, was dann leider zur Folge hat, dass diese auch beim Lesen wenig berühren, bedauert Müller. Außerdem bleibt, bei aller Tiefe, die Hacker der existenziellen Verzweiflung zu geben verstehe, für den Rezensenten die politische Dimension des Romans "zu seicht".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2015

Rezensentin Sandra Kegel freut sich nicht nur über einen neuen Roman Katharina Hackers, sondern begrüßt auch ihre Entscheidung, wieder zu ihren literarischen Anfängen zurückzukehren. Denn diese Erzählung um den Architekten Skip, der in der Mitte seines Lebens zurückblickt, führt die Kritikerin nach Tel Aviv, wo auch die Prosaskizzen entstanden, mit denen Hacker debütierte. Aus der Beobachterperspektive des Protagonisten, der der Sohn eines jüdischen Vaters ist und sich als Eingewanderter nur als halber Israeli fühlt, erlebt die Rezensentin das Land, die Stadt und ihre Bewohner, nicht zuletzt die Konflikte in kritischen Worten und meisterhaften, mitreißenden Bildern. Ebenso gebannt folgt Kegel Hackers zwischen Vision und Realität oszillierenden Schilderungen über die jüdische Lehre der Seelenwanderung. Auch wenn der Kritikerin der zweite, in Berlin spielende Teil dieses großen Romans über Tod, Verlust und Glück etwas weniger subtil erscheint, hat sie dieses Buch gern gelesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.08.2015

Rezensentin Judith von Sternburg lernt das Unglück kennen in Katharina Hackers neuem Roman. Der Held, geplagt von Familie, von seiner Geschichte (als Sohn eines jüdischen Vaters) und den üblichen Leidenschaften, gewinnt Kontur nur aus der Negation, schreibt sie. Dass sie ihm dennoch folgt, auch wenn er als Mitte des Textes nicht taugt, liegt auch an der Parallelisierung des privaten Dramas mit dem Drama Israels, das die Autorin laut Sternburg gut kennt. Sog erhält die schlichte Geschichte durch die Ausrichtung aufs Unglück zu, erklärt Sternburg, auch wenn nicht alles glaubhaft ist und manches überladen in diesem Buch, schreibt sie.