Den besten Rat oder jedenfalls den schönsten für den Umgang mit Traurigkeiten wusste zweifellos Carmen McRae Billie Holiday und sang ihn in "Good Morning, Heartache". In anderer Stimmlage sollte man sich mit Traurigkeiten nicht beschäftigen, aber was tun, wenn man nicht singen kann? Nachdenken hilft auch. Und wo persönliche Erfahrungen nicht bare Münze, sondern Anlass zur Erkenntnis sind, wird es plötzlich doch erstaunlich hell und manchmal heiter. Katharina Hackers subjektiver Blick auf die häufigen Gäste namens Traurigkeiten, ob sie Herzschmerz heißen oder anders, hilft zu sagen: Sit down! Wo sie bleiben dürfen, wüten sie nicht leicht. Ein Stundenbuch in schwierigen Zeiten, gegossen in die Dauer nachdenklicher Minuten - das ist doch was!
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.04.2025
Rezensentin Elke Schlinsog liest mit Katharina Hackers "Handbuch für Traurigkeiten" ein Buch voll kleiner, ausgewählter Sprachschätze. Traurigkeiten kann man nicht wegtrösten, erklärt Hacker etwa darin, man kann sie nur annehmen, betrachten, verstehen und tragen lernen. Genau das tut die Philosophin Katharina Hacker in ihren Miniaturessays über das Traurigsein. Wo die Trauer herkommt, wo sie hingeht, woraus sie besteht, wer sie empfindet, wie und warum, das untersucht Hacker in ihrem Handbuch, lesen wir. "Zart und elegant" hält sie Gedankensplitter und Eindrücke fest, folgt ihnen, variiert sie, und zwar solange bis sie eine Essenz aus ihrem Stoff gewonnen zu haben glaubt, erkennt die Rezensentin. Das Ergebnis ist ein wundervolles Buch, das von sich selbst behauptet, keinen Trost spenden zu können, und es dennoch tut, versichert sie.
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