Aus dem Amerikanischen von Mary Fran Gilbert, Karin Graf, Sabine Hedinger und Eike Schönfeld. Im April 1989 wurde eine weiße Endzwanzigerin auf ihrer abendlichen Laufrunde durch den Central Park von sechs schwarzen Jugendlichen überfallen und vergewaltigt. Sie überlebte den Angriff lebensgefährlich verletzt, der darauf folgende Strafprozess hielt New York über Monate in Atem. In ihrer titelgebenden Reportage "Sentimentale Reisen" beschäftigt Joan Didion allerdings weniger der Vorfall selbst als vielmehr die öffentliche Debatte und die sie bestimmende "sentimentale" Sehnsucht danach, die oft frustrierend komplexe Realität auf vereinfachende Narrative von gut und böse, schwarz und weiß zu reduzieren.
In diesem und den weiteren Essays und Reportagen aus den 80er und frühen 90er Jahren widmet sich Didion unterschiedlichen Phänomenen ihrer Zeit, die ihr an den exemplarisch ausgewählten Orten Washington, New York und Kalifornien begegnet sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016
Rezensentin Sandra Kegel rühmt die schneidende Brillanz der Essays von Joan Didion, die laut Kegel auch nach 25 Jahren noch als Anthropologie amerikanischer Küstenbewohner taugen. Wenn die Autorin in rigorosem Ton und mit skeptischem Blick, Sinnlichkeit und Klarsicht vereinend die Regierung Reagan analysiert, die Vorurteile der New Yorker oder die Illusionsfabrik Hollywood, spürt Kegel die Autorin in der Nähe. In kleinen Beobachtungen neben dem Sensationellen ist sie für Kegel in diesen Texten präsent.
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