Karl Ove Knausgard

Sterben

Roman
Cover: Sterben
Luchterhand Literaturverlag, München 2011
ISBN 9783630873510
Gebunden, 576 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Das eigene Leben offen, schonungslos und radikal zum Gegenstand des Schreibens zu machen - dies ist das Konzept, zu dem sich Karl Ove Knausgard in einem furiosen Mammutprojekt entschlossen hat. In " Sterben", dem ersten Roman einer sechsbändigen Serie, nähert er sich seinem schwierigen Verhältnis zum Vater, das ihn grundlegend geprägt hat. Als dieser stirbt und er sich mit seinem Bruder daran macht, den Nachlass zu ordnen, bietet sich beiden ein Bild des Grauens. Während sie das Haus reinigen und die Beerdigung vorbereiten, kommen Erinnerungen hoch. Nach und nach entsteht so das Porträt eines Mannes, über den sich in der Kindheit das Gleichgewicht der Familie definierte und den die beiden Söhne unsäglich zu hassen lernten. So sehr hat dieser Vater einen Schatten auf das Leben der Brüder geworfen, dass sie den Bestatter bitten, die Leiche sehen zu dürfen. Erst dann, so sind sich beide einig, werden sie glauben können, dass er wirklich tot ist...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.01.2012

Über den Abstand zum Text und der Figur ist Susanne Gmür dann aber doch froh. Schließlich ist dieser erste Teil von Karl Ove Knausgards Proustschem Megaprojekt einer sechsteiliegn Romanautobiografie nicht sehr zimperlich, was das Erinnerte betrifft. Dass jeder Tag des Erzählers Karl ein Abenteuer jenseits kausaler Erklärungen darstellt, ist das eine. Dass der Mann seiner Sensibilität, seinem Reflexions- und Beurteilungswahn aber nicht entfliehen kann, ist das andere. Als Glück empfindet Gmür da, dass die Komik in diesem Buch nicht zu kurz kommt und die kunstvolle Sprache des Autors so leichtfüßig und genau ist. Innere und äußere Welt der Figur scheinen ihr auf die Art doch noch wenn nicht zusammenzufinden, so doch in ein sinnvolles Verhältnis zu treten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2011

Ein Buch mit tröstlichem Ende möchte Cord Aschenbrenner hier erkennen. Gar nicht leicht, bei einem Roman mit diesem Titel. Allerdings rät Aschenbrenner auch, sich nicht vom deutschen Titel in die Irre führen zu lassen, der norwegische lautet anders. Ums Sterben geht es nämlich buchstäblich erst gegen Ende. Zuvor aber erzählt Karl Ove Knausgard von seiner Kindheit und Jugend in einer bürgerlichen norwegischen Familie, mit einem übermächtigen Vater. Fotografisch genau und intensiv erscheinen Aschenbrenner die Schilderungen, zu genau, um nicht literarisch bearbeitet zu sein. Ein Entwicklungsroman entspinnt sich vor seinen Augen, der nicht ohne Längen ist, wie er einräumt, aber Aschenbrenner schließlich überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Es scheint sich um einer Art "Recherche du temps perdu" zu handeln, jedenfalls um ein durch und durch autobiografisches Projekt, erläutert Rezensent Peter Urban-Halle. Und hier liegt nur der erste Band dieses auf sechs Bände angelegten Projekts vor, das im Original - ähem - "Min Kamp" heißt. Urban-Halle ist jedenfalls beeindruckt von der Intensität, mit der Karl Ove Knausgard Zerfallsprozesse in Leichen oder das Verhältnis zum Vater schildert. Gleichzeitig konstatiert er, dass Knausgard trotz scheinbarer Plaudereinlagen ein raffiniert konstruiertes Buch vorgelegt hat. Im ersten Band geht es um den Vater, von dem Knausgard ein offenbar recht erbarmungsloses Porträt zeichnet. Urban-Halle scheint gespannt auf den Fortgang in den nächsten Bänden und ordnet den Roman einer neuen Gattung zu, in der Autoren in ihrem eigenen Namen erzählen und die Grenze zwischen Fiktion und Autobiografie aufheben: "Wirklichkeit, Wahrheit, Erfindung - es ist gleichviel."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.03.2011

Nicht wirklich erwärmen kann sich Rezensentin Sabine Peters für Karl Ove Knausgards auf sechs Bände angelegtes autobiografisches Mammutprojekt. Die Begeisterung, die das Werk in Norwegen ausgelöst hat, ist für sie nicht nachvollziehbar. Sie teilt die Auffassung des norwegischen Schriftstellers Jan Kjaerstad, Leser und Feuilleton in Norwegen seien dem Genre der autobiografischen Literatur auf den Leim gegangen und rühmten die scheinbar radikale Authentizität von Knausgards Büchern. Das Werk macht nüchtern betrachtet ihres Erachtens literarisch nicht viel her. Tatsächlich erklärt sie, das Buch habe sie von Seite zu Seite mehr enttäuscht. Die Rückblenden, in denen der 1968 geborene Autor von Kindheit und Jugend, von ersten Kontakten mit Mädchen, Partys, Besäufnissen, Ärgern mit Lehrern und Eltern berichtet, erscheinen ihr willkürlich. Schmerzlich vermisst sie Distanz und Selbstironie. Zudem wirkt das Ganze auf sie zunehmend langatmig. Außerdem kritisiert Peters weite Passagen als "Logorrhö", ihr fehlt es einfach an Gestaltung. Nicht zuletzt fühlt sie sich schon am Anfang wie erschlagen "von der wuchtigen Geste des Geständnisses".