Frühling, Sommer und Herbst ähneln einander. Nur der Winter steht für sich. Die Welt gerät in einen anderen Aggregatzustand: Wasser gefriert. Die Landschaft wird erst kahl, dann weiß. Was macht das mit den Menschen?Barbara Schaefer lebte vier Wintermonate in Grönland, an der rauen, isolierten Ostküste. Sie war überwältigt von der grimmigen Landschaft und den harten Lebensbedingungen. Sie wanderte über den gefrorenen Baikalsee, suchte den Schnee am Kilimandscharo, überquerte auf Schneeschuhen eine Hochebene in Schweden, reiste nach Norwegen, in die Arktis und in die Alpen und versuchte dabei zu ergründen, was das ist: Winter. Und warum der so viel Freude bringen kann. Sie hörte Winterlieder, las Winterbücher, sah Winterfilme. Sie hat draußen manchmal jämmerlich gefroren - und wollte dennoch in diesen Momenten nirgends anders hin. Denn anstatt am Strand zu liegen, trifft sie lieber Menschen im Winter. In den Bergen, am Meer, in der Stadt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.11.2018
Barbara Schaefer meidet den Winter nicht, sie stürzt sich mit Karacho in ihn hinein, und Stefan Fischer lässt sich von so viel Begeisterung anstecken, wenn sie Norwegens Hardangervidda durchquert, Grönlands Ostküste erkundet oder zur Expedition an den Baikalsee aufbricht. Dabei sei Schaefer keine Abenteurerin, sondern einfach eine Reisende, die sich auch mal etwas Kälte und Schinderei zumutet, wenn es denn der Welterkundung dient. Die Leidenschaft und die Intensität dieser Erfahrungen spürt Fischer, und er versteht auch, dass die Reisejournalistin keine Lust auf all die Traumdestinationen im Süden und in der Sonne hat, die von den Touristenmassen überrannt werden. Dass Schaefer dabei auch noch interessante Gedanken über unser gewandeltes Verhältnis zu Winter und Schnee liefert, nimmt der Rezensent gern mit.
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