Karl-Markus Gauß

Die fröhlichen Untergeher von Roana

Unterwegs zu den Assyrern, Zimbern und Karaimen
Cover: Die fröhlichen Untergeher von Roana
Zsolnay Verlag, Wien 2009
ISBN 9783552054547
Gebunden, 160 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Karl-Markus Gauß ist aufgebrochen, um uns "das Staunen über Europa zu lehren" (FAZ). In Schweden traf er auf selbstbewusste junge Assyrer, verfolgte Christen aus dem Orient, die einst fliehen mussten, sich nun erfolgreich in ihrer neuen Heimat behaupten und zugleich davon träumen, die alte wiederzugewinnen. Im abgelegenen Gebirge in Norditalien begegnete er den letzten Zimbern, lebensweisen Untergehern, die die älteste Form des Deutschen sprechen und wohl wissen, dass nicht nur ihre eigenen Tage, sondern die der zimbrischen Kultur gezählt sind. Und er war in Litauen bei den geheimnisvollen Karaimen, von denen sich die einen für Angehörige eines verlorengegangenen jüdischen Stammes halten und die anderen es strikt ablehnen, etwas mit dem Judentum zu tun zu haben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.01.2010

Gewohnt liebevolle Hartnäckigkeit bescheinigt Angelika Overath Karl-Markus Gauß auch bei diesem essayistischen Ausflug in die ethnischen Zwischenräume Europas - zu den Assyrern in Schweden, den Zimbern in Norditalien und den Karaimen in Litauen. In lebensintensiven Szenen fand Overath hier Geschichten vom "lächelnden Trotzdem" derer erzählt, die sich ihrer Identität nicht immer sehr sicher sind. Herz- und Glanzstück des Buchs ist aus ihrer Sicht die "großartige literarische Reportage" über die 70000 Assyrer oder Aramäer in Schweden, die nach dem türkischen Genozid des Jahres 1915, der neben den Armeniern auch sie betraf, über die Welt zerstreut leben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2009

Nein, Rezensent Cord Aschenbrenner mag die gelassene Heiterkeit ganz entschieden nicht teilen, mit der die europäischen Kleinstvölker hier ihrem eigenen Untergang entgegensehen. Zu liebenswert, skurril und aufs Schönste beschrieben hat er die Zimber, Karaimen und Assyrer in diesen Essays von Karl-Markus Gauß gefunden. Die Zimber, Nachfahren bayrisch-tirolischer Siedler in Norditalien, oder Karaimen, eine jüdisch-tatarische Absplitterung, bringen jeweils nur hundert Angehörige auf, informiert der Rezensent, die Assyrer aber, Altchristen aus Syrien, haben in Schweden Exil gefunden und sich dort so erfolgreich etabliert, dass sie sogar einen eigenen Erstligaklub aufgestellt haben: die Fußballvereinigung Assyriska. Die Reportage über die die Assyrer hält Aschenbrenner auch für die stärkste im Band: Wie Gauß hier "unaufdringlich einfühlsam", mit feiner Ironie und pointiert das Bild einer Nation ohne Staat zeichnet, ist für den Rezensenten ein "kleines essayistisches Meisterwerk".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2009

Höchst angeregt vollzieht Sabine Berking die kundigen Reisen des Reporters Karl-Markus Gauß zu den rätselhaftesten Sprachminderheiten Europas nach. Fasziniert erzählt sie von den christlichen Assyrern, die man zurecht als ein Volk von Orientalen angesehen hatte, die nun aber wegen ihrer christlichen Religion ihr Hauptrefugium in Schweden haben. Noch versprengter ist das Volk der Karaimen, offensichtlich jüdische Häretiker, von denen einige, ohne religiöse Anerkennung, heute in Israel leben. Aber einst lebten sie in Litauen, wo es Reste ihrer Kultur gibt. Berking verliert nicht viele Worte über Stil und Präsentationsweise des Autors, aber sie ist so mitgerissen, dass man ihre Kritik als dringende Empfehlung versteht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009

Thomas Medicus sieht in Karl-Markus Gauß einen "sprachmächtigen Reiseschriftsteller", der ein besonderes Faible für ethnische Minderheiten pflege. Auch im neusten Buch des Autors findet er wieder Interessantes über nahezu unbekannte Restvölker, die Assyrer, Zimber und Karamimen. Überraschend ist für ihn die von Gauß diesmal selbst aufgeworfene Frage, woher denn seine Sympathie für diese kleinen ethnischen Gruppen komme. Eine Antwort gibt es zum Bedauern von Medicus nicht. Er attestiert dem Autor dennoch eine Menge feinsinniger und einfühlsamer Beobachtungen sowie sublime Ironie. Andererseits zeigt er sich durchaus zurückhaltend gegenüber dem Hadern des Autors mit der Nation und dem Nationalstaat. Schließlich herrscht in seinen Augen in Europa ein flächendeckender Minderheitenschutz und auch der homogene Nationalstaat existiert nicht mehr wirklich.
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