Die zentrale Annahme dieses Buches ist die universalgeschichtliche These von einer Achsenzeit (880-200 v. Chr.) in der Weltgeschichte, in der voneinander unabhängig in China, Indien und dem Abendland strukturell ähnliche kulturelle Revolutionen und Aufbrüche erfolgt sind. Inwieweit diese Aufbrüche für das kulturelle Leben in der Gegenwart weiterhin bedeutsam sind, wird heute in kulturwissenschaftlichen Disziplinen wie der Religions- und Kultursoziologie, der vergleichenden Kulturtheorie, der Theorie der Moderne u.a. neu diskutiert.
Neben der These von der Achsenzeit wird in "Vom Ursprung und Ziel der Geschichte" u.a. der Stellenwert von Wissenschaft und Technik in der Moderne erörtert; es werden Überlegungen über eine mögliche Welteinheit (im Sinne eines Weltfriedenszustandes) angestellt sowie zeitgeschichtliche Tendenzen in der Politik (z.B. Totalitäts- und Planungsideologien) kritisiert, die im Gegensatz zu Jaspers' liberalem Ethos der Freiheit und der Humanität stehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2017
Uwe Walter liest Karl Jaspers vier Jahre nach Kriegsende erschienenes Buch mit Blick auf den darin entwickelten Begriff der Achsenzeit neu. Die Renaissance des Begriffs seit den 1980er Jahren in der Theorie der Globalisierung beschäftigt Walter. Die im Rahmen der Jaspers-Gesamtausgabe vorliegende Ausgabe letzter Hand bietet laut Walter als Mehrwert gegenüber den Einzelausgaben eine knappe, aber gehaltvolle Einleitung des Herausgebers Kurt Salamun sowie einen Stellenkommentar, der dem Leser Namen, Quellen und werkbiografische Hintergründe erschließt.
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