Karl Christian Führer untersucht erstmals die Entstehung der modernen, auf Höchstleistungen ausgerichteten Landwirtschaft in Westdeutschland von 1950-1990. Sein Buch beschreibt eingehend, dass die Entwicklung hoch effizienter Produktionsmethoden eine Reaktion der Bauern auf sich stark verändernde Anforderungen war. Gerade bei dem Produkt "Fleisch" vollzogen sich seit den 1950er Jahren ganz grundlegende Wandlungen bei den Konsumenten, im Einzelhandel und bei den Verarbeitungsbetrieben. Die landwirtschaftliche Produktion musste sich, um auf die neue Nachfrage reagieren zu können, massiv verändern. Die so entstehende "intensive" Tierhaltung, die von Nicht-Landwirten und auch von einem kleinen Teil der Bauern schon frühzeitig scharf kritisiert wurde, entsprang weder landwirtschaftlicher Initiative noch diente sie der "Profitmaxierung" der Tiermäster (wie die Kritiker vielfach meinten). Als Ursprung und als zentraler Motor des Wandels lassen sich vielmehr die Entscheidungen der Konsumentinnen und Konsumenten beim Einkauf ihrer Lebensmittel identifizieren. Eine aufschlussreiche Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2022
Rezensent Roman Köster empfiehlt Karl Christian Führers Geschichte der Massentierhaltung. Der Autor gräbt sich zu den Wurzeln des Phänomens durch und schildert etwa, wie die Entwicklung der Massenmärkte die industrielle Massenproduktion von Fleisch beeinflusste oder den Anteil von Geflügel in den Regalen vergrößerte, meint Köster. Das emotionale Thema Massentierhaltung geht der Autor laut Köster wissenschaftlich nüchtern, mit archivalischer Akribie und konkreter Analyse des Systems an.
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