Karine Tuil

Die Gierigen

Roman
Cover: Die Gierigen
Aufbau Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783351033781
Gebunden, 479 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff. Nina, Samuel und Samir - mit zwanzig Jahren sind die drei Freunde unzertrennlich, sie teilen dieselben Werte, erträumen sich eine Zukunft, in der sie ihre Ideale verwirklichen werden. Nina und Samuel sind ein Paar, doch als Nina eine leidenschaftliche Affäre mit Samir beginnt, sind Liebe, Freundschaft und Vertrauen zerstört. Samir verschwindet aus Frankreich und aus dem Leben der beiden Freunde - bis sie ihn zwanzig Jahre später durch Zufall im Fernsehen wiedersehen. Samir lebt als Staranwalt in New York, er trägt maßgeschneiderte Anzüge und das Lächeln der Erfolgreichen zur Schau, während Nina und Samuel ein tristes Dasein am Rand der Gesellschaft führen. Samuel brennt vor Eifersucht, zumal der Aufstieg des Rivalen auf seiner eigenen tragischen Lebensgeschichte beruht. Und so initiiert er ein Treffen in Paris, um sich an Samir zu rächen - doch am Ende fordert das Schicksal jeden Einzelnen zur Rechenschaft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.11.2014

Jeannette Villachica freut sich über diese Übersetzung eines Romans von Karine Tuil, ein seltenes Ereignis, meint sie. Dabei hat das Buch für die Rezensentin alles, was ein Gegenwartsroman braucht, eine komplexe, spannende Geschichte mit konturscharfen Figuren und Milieus und jeder Menge aktueller Themen (Diskriminierung, Religion, Geld, Macht, Liebe), eine temporeiche, fesselnde Dramaturgie sowie Beschreibungskompetenz. Die Dreiecksgeschichte um drei Studenten und ihre Karrieren und Lebensweisen hat laut Villachica allerdings auch einen Haken. Indem die Autorin den Leser mit Informationen über die Figuren und ihre familiären Hintergründe quasi überhäuft, bleibt ihm kaum Platz für Assoziationen, erklärt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.09.2014

Mit diesem Roman fasst die schon mehrfach für den Prix Goncourt nominierte Schriftstellerin Karine Tuil ein spürbar heißes Eisen an, berichtet Rezensentin Catarina von Wedemeyer: Es geht um jüdische und arabische Identität in den westlichen Metropolen, um die Aufforderung zur Integration bei gleichzeitig fortwährender Stigmatisierung durch Klischees, darum, wie sich Betroffene bis zur Verleugnung ihrer Identität aus Karrieregründen anpassen oder ihrer Identität verlustig gehen. Dies nimmt zuweilen "metatextuelle" Züge an, stellt von Wedemeyer fest: So wie Tuil ihre Figuren erfindet, erfinden diese wiederum ihre Biografien. Einfach macht es sich die Autorin allerdings nicht, was ihr die Kritikerin hoch anrechnet: Griffig moralische Statements oder gar eine vereinfachte Darstellung der Problematik sind ihre Sache nicht. Stattdessen reichert sie die Sachlage mit zahlreichen, teils widersprechenden Beobachtungen angenehm komplex an. "Bester zeitgenössischer Realismus", jubelt die Kritikerin angesichts solcher Ausdifferenzierungen und Ambivalenzen, die zudem noch passend zum Zeitgeist im rasanten Tempo erzählt werden. Das wagt sich ziemlich weit raus, ist pur und ungefiltert, meint von Wedemeyer abschließend und mit diesem intensiven Lektüreerlebenis rundum zufrieden.