S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN
9783103976526 Gebunden, 368 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Zum Gastlandauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026. Mit einem Nachwort von Katja Lange-Müller. Neu übersetzt von Doris Kouba. In einer Südsee-Bucht entdeckt Kapitän Jan van Toch eine lernfähige Spezies von Riesenmolchen. Er richtet sie auf die Perlenfischerei ab und baut ein florierendes Geschäft auf. Nach seinem Tod werden die Molche in die ganze Welt verkauft. Sie haben zu sprechen und den aufrechten Gang gelernt - und lehnen sich plötzlich gegen die Menschen auf. Karel Čapeks gewitzter und überraschend aktueller Klassiker lässt sich in Doris Koubas Neuübersetzung auch als Warnung vor blindem Fortschrittsglauben, Ausbeutung und dem aufziehenden Faschismus lesen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.10.2026
Als "hellsichtige Warnung" vor dem Faschismus wird Karel Capeks "Der Krieg mit den Molchen" oft gelesen, als das prophetische Werk eines Autors, der die Katastrophe bereits in den 30er Jahren voraussah. Und das ist es sicherlich - auch - betont Rezensentin Viktoria Großmann. Zugleich aber ist dieser Roman so viel lustiger, leichtfüßiger und uneindeutiger als diese gewichtige Deutung vermuten lässt und übrigens auch philosophischer. Wer hier der Faschist ist und wer nicht, wer die Täter, das ist nicht so ganz klar in Capeks wild spielerischer Satire über eine Welt im Molch-Fieber. Dass in einer kapitalistischen Gesellschaft keine noch so harmlose Beziehung unberührt bleibt von den Systemzwängen, stellt Capek auf unterhaltsame und zugleich aufrüttelnde Weise klar. Die Neuausgabe, frisch übersetzt von Doris Kouba, ist ein Glück, findet Großmann. Denn Kouba bringt es hier tatsächlich fertig, selbst Capeks spielerischen Umgang mit verschiedenen Sprachen derart gekonnt ins Deutsche zu übertragen, dass manche Figuren im Deutschen fast noch mehr "Charakter" kriegen als im Original. Der informative Anhang mit einigen Erklärungen zur Übersetzung rundet das Buch perfekt ab, so die begeisterte Rezensentin.
Rezensent Ulrich Rüdenauer entdeckt den tschechischen Autor Karel Capek und seinen dystopischen Roman von 1936 wieder. Ein Klassiker der europäischen Literatur ist das Buch für Rüdenauer in der neuen "gelungenen" Übersetzung von Doris Kouba unter anderem, weil es eine vergnügliche Kapitalismus- und Faschismuskritik darstellt, die mit unterschiedlichen Textsorten, etwa der philosophischen und der wissenschaftlichen Abhandlung sowie der Satire arbeitet und mit dieser Collagetechnik die literarische Postmoderne vorwegnimmt. Dass die Geschichte um eine neu entdeckte Eidechsenart, die sich erst vom Menschen instrumentalisieren lässt und sich dann gegen ihn wendet, 90 Jahre nach ihrer Entstehung bei Rüdenauer Assoziationen an den Klimwandel, an KI und Drohnenarmeen weckt, macht einen Teil der Faszination des Rezensenten für diesen Text aus.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.09.2026
Rezensent Jörg Plath erfreut sich an dem "Schalk", mit dem der wichtige Prager Schriftsteller, Kritiker und Dramatiker Karel Čapek seine Parabel über Kapitalismus und Nationalismus aufzieht: ein Kapitän entdeckt vor Indonesien große, aufrecht gehende Wassermolche und startet unter Ausbeutungsverhältnissen einen Perlenhandel. Im Folgenden schwingt sich die Handlung entsprechend auf: vom "Salamander-Syndicate" zur "Molchsklavenhaltung" und dem in den USA beliebten samstäglichen "Molchabfackeln" bis hin zum Molchaufstand. Vergnügt kombiniere der Autor dabei diverse Genres, es gibt Abenteuerpassagen, aber auch wissenschaftliche Aufsätze, Reiseberichte, Telegramme und vieles mehr; auch das Seitenlayout fällt entsprechend kreativ aus, staunt Plath. Die Versiertheit und Treffsicherheit von Čapeks Schreiben scheint ihn zu beeindrucken, und auch der Übersetzerin Doris Kouba meint er die Freude an der "grimmigen Ironie und dem ätzenden Sarkasmus" des Textes und seiner Sprache anzumerken.
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