Klappentext

Die spannungsreiche Beziehung zwischen Einheit und Vielfalt steht im Zentrum dieser "Geschichte Chinas". Der Hamburger Sinologe Kai Vogelsang beschreibt die ganze Fülle der chinesischen Kultur, ihren Reichtum und ihre Diversität, er schildert chinesische Lebensformen und Wunderlichkeiten. Und er verfolgt die Versuche der chinesischen Kultur, die wuchernde Vielfalt zu bändigen, etwa durch die erfundene Tradition des Konfuzianismus, die Schaffung eines Einheitsreiches, den Totalitarismus mit seinen Gewaltexzessen, den Nationalismus der Gegenwart. Die chronologische Darstellung der 10.000-jährigen Geschichte wird ergänzt durch kurze Überblicke zu Anfang jedes Kapitels, die auf größere Zusammenhänge eingehen und etwa 60 knappe Exkurse, die einzelne Themen zeitenübergreifend und in sich geschlossen veranschaulichen. Zeittafeln und Karten vermitteln einen zeitlichen und räumlichen Überblick, weiterführende Literaturhinweise runden den Band ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Für Maßstäbe setzend hält Rezensent Jürgen Osterhammel diese Gesamtdarstellung der Geschichte Chinas von Kai Vogelsang. Nicht nur bietet das Buch laut Rezensent eine echte Alternative zum letzten großen Standardwerk von Jacques Gernets aus dem Jahr 1979. Osterhammel attestiert dem Autor auch, mit allen Wassern der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiet gewaschen zu sein. Was leistet das Buch? Für Osterhammel liegt das Verdienst zunächst darin, die Geschichte Chinas so elegant wie scharfsinnig zu entmythifizieren und einen differenzierten Geschichtsraum im Wandel sichtbar zu machen. Doch auch die hier aufgestellten (europäischen) Kategorien (Mittelalter, Neuzeit), die Ordnungsmuster (Gewalt, Religion, Bürokratie etc.) mit denen der Autor diesen Raum strukturiert, findet Osterhammel überzeugend. Einmal mehr fassungslos über die andauernden Greueltaten der kommunistischen Herrschaft, die Vogelsang ferner auflistet, und staunend über die Probleme des heutigen China, vermisst Osterhammel in diesem Buch höchstens eines: die eingehende Kennzeichnung der Schwelle zur zweiten Moderne, mit der die Geschichte des Kapitalismus in China beginnt. Über diese, meint der Rezensent, wäre ähnlich hervorragend ohnehin noch zu schreiben.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.09.2012

Rezensent Matthias Nass ist einfach hin und weg von dieser Geschichte Chinas, die eigentlich keine sein will. Denn China gibt es laut dem Hamburger Sinologen Kai Vogelsang so wenig wie es Chinesen gibt. Keine Sorge: Vogelsang hält keine dekonstruktivistische Vorlesung, er will nur verdeutlichen, dass die chinesische Geschichte keine bruchlose Entwicklung chinesischer Kultur ist und dass die Chinesen ein ziemlich buntes Gemisch aus Han-Volk und anderen Völkern sind, so Nass. Vogelsang legt in seiner Geschichte größeren Wert auf gesellschaftliche Bewegungen, einflussreiche Familien, die Peripherie als auf Königshäuser, Schlachten und das Zentrum. So gelingt es ihm, lobt der Rezensent, ein neues Verständnis auch für die Herausforderungen zu erwecken, vor denen China heute steht. Besonders übersichtlich findet Nass das Buch außerdem in der Darstellung: Jedes Kapitel beginnt mit einer Zeittafel und einer kurzen Skizze der wichtigsten Entwicklungen des vorgestellten Zeitraums. Außerdem gibt es längere Erklärungen für wichtige Begriffe wie Jade oder Mao-Kult. Alles in allem ein "fabelhaftes Werk" und ein "großer Wurf".