Pinguin-Kindern ergeht es manchmal nicht anders als Menschen-Kindern. Ihre Mutter ist wütend. "Heute Morgen hat meine Mutter so geschrien, dass ich auseinander geflogen bin", erzählt der kleine Pinguin. Der Kopf fliegt ins Weltall, sein Körper ins Meer, die Flügel verschwinden im Dschungel, der Schnabel landet in den Bergen und der Po in der Stadt. Müde vom Suchen kommen die kleinen Füße in der Wüste Sahara an. Da legt sich ein großer Schatten über sie - die Mutter des kleinen Pinguin hat alles wieder eingesammelt und zusammengenäht: "Entschuldigung", sagt sie.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 19.10.2000
Birgit Dankert ist "beglückt" von diesem Bilderbuch, in dem ein kleiner Pinguin von seiner Mutter so angeschrieen wird, dass er auseinander platzt. Am Ende entschuldigt sie sich. Die Rezensentin sieht hier einen Grundtypus kindlicher Erfahrung in einer "meisterlichen Text-Bild-Synthese" umgesetzt und lobt das Buch als "pädagogisch fundiert". Zudem mache es die Entwicklung der Illustratorin deutlich, die von dem "eher gefälligen" Realismus früherer Veröffentlichungen zu einem mehrdeutigen Stil gefunden habe, so die Rezensentin anerkennend.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Mütter sind nicht immer lieb. Was passiert, wenn die fürsorgende Mama auf einmal richtig laut und böse wird, beschreibt Jutta Bauer in ihrem Szenenbuch. Der kleine Pinguin fliegt auseinander. Seine Körperteile verteilen sich überall auf der Welt. `Kein Bild könnte die Zerrissenheit des Kindes besser treffen!`, meint Rezensent Jens Bauer. Ihm gefallen besonders die Illustrationen von Jutta Bauer: `Aquarelle von verhaltener Ironie und treffsichere Karikatur, Bilder der Weite und Verlassenheit, der Komik und des Witzes`. Und am Ende wird alles gut. Die `Schreimutter` flickt ihr Kind wieder mit Nadel und Faden zusammen. Ein `einfaches wie ausdrucksstarkes Symbol für das wiedergewonnene psychische Gleichgewicht des Kindes`, wenn auch, gibt der Rezensent zu bedenken, ein zusammengeflicktes Kind eben letztlich auch ein beschädigtes Kind ist.
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