Julien Green

Der Andere

Roman
Cover: Der Andere
Carl Hanser Verlag, München - Wien 2001
ISBN 9783446200500
Gebunden, 350 Seiten, 23,52 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Gerhard Heller. Kopenhagen im April 1949. Am Hafenbecken liegt eine junge Frau, ertrunken. "Die Deutsche" hat man sie genannt, denn zur Zeit der deutschen Besatzung hat man Karin oft in den Autos der Nazi-Offiziere gesehen. Seitdem lebt sie als Verfemte in der eigenen Stadt. Doch was ist wirklich geschehen? Julien Green erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe in Zeiten des Krieges und die Geschichte einer unbedingten Suche nach einem Glauben, der diesem Krieg widerstehen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.06.2002

Das "große Projekt" einer Erforschung der unheimlichen heimlichen Leidenschaften, verkorksten Beziehungen, vermurksten Hoffnungen, das Green noch in seinem Leviathan erfolgreich verfolgte - hier ist es gescheitert, meint Anton Thuswaldner. Green sei sanft und ratlos und aus Altersweisheit sei Altersmilde geworden. Für den Roman hat das katastrophale Folgen: Probleme werden "grüblerisch zerredet", die vom Weg abgekommenen beiden Protagonisten liefern sich bloß umständliche Scheingefechte, ehe sie in den Schoß des Glaubens (zurück)finden. Und immer ist es Green, der spricht, "zweimal verstellt er seine Stimme" und bleibt doch der streng gläubige Katholik, der gute Green. Da helfen auch die eingebauten Elemente des Spannungsromans nichts, "am Ende siegt der Glaube", und herauskommt: Erbauungsliteratur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2001

Kalt und fremd, warnt Christoph Bartmann, müsse die Hoffnungslosigkeit dieser katholischen Tragödie den heutigen Leser berühren: Eine verzweifelte Sünderin will katholisch werden, um dem Teufel zu entkommen und eine Liebe zu retten. Ob das nicht grauenvoll klinge. Allerdings. Allerdings gefällt Bartmann der Roman trotzdem ausnehmend gut. Ein Wunder, meint er selbst, dass das Ganze niemals schwerfällig, sondern bisweilen sogar heiter wirkt. Oder eben die Kunst des Julien Green. Und einer Lesart des Katholizismus vielleicht auch, die das Institutionelle, Festgefügte und Autoritäre scheut und sich den "Hang zum Spott" bewahrt.
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