Tove Ditlevsen

Vilhelms Zimmer

Roman
Cover: Vilhelms Zimmer
Aufbau Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783351039370
Gebunden, 206 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. "Vilhelms Zimmer" ist Tove Ditlevsens literarisches Vermächtnis, der letzte Roman, den sie 1975 veröffentlichte. Darin tauchen alle Themen auf, für die Ditlevsen steht: Sie erzählt die Geschichte einer Beziehung, die an Wildheit und Intensität kaum zu übertreffen ist, und vom Lebenswerk einer Frau und Künstlerin. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2025

"Vilhelms Zimmer" ist eine "überzeugende Studie männlicher Tyrannei", lobt Rezensent Stephan Opitz, dankbar, dass Übersetzerin Ursel Allenstein diesen letzten Roman der dänischen Autorin Tove Ditlevsen für ein deutschsprachiges Publikum kongenial übersetzt und zugänglich gemacht hat. In klar autofiktionaler Manier erzählt Ditlevsen multiperspektivisch von ihrer Figur Lise Mundus und deren gescheiterter Ehe mit dem Redakteur Vilhelm Mogensen, so Opitz. Die Ich-Erzählerin Lise verschwindet immer mal und taucht als in der dritten Person erzählte Lise wieder auf, was dem Rezensenten als erzählerischer Kniff einleuchtet, weil es einen perspektivreichen Blick auf die Hauptfigur erlaubt. Auch wie genau Ditlevsen die subtilsten Brutalitäten des Ehemanns schildert, findet er sehr modern. Ein neuer Untermieter taucht noch auf, mit dem Lise ein Verhältnis beginnt, über dem aber immer der Schatten des ausgezogenen Ehemannes zu lasten scheint. Ein Buch, das schon bei seinem ersten Erscheinen einen Grundstein gelegt hat für wichtige feministische Debatten, hält der Kritiker abschließend fest.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.02.2025

In ihrer dänischen Heimat galt Tove Ditlevsen nach frühen Erfolgen als nicht mehr modern genug. Doch Rezensentin Cornelia Geißler findet in diesem zuletzt auf Deutsch erschienenen und, wie sie findet, "grandios übersetzten" Roman (der zugleich das letzte Buch der Autorin vor ihrem Tod 1975 ist) eine schriftstellerische Stimme, die an "stilistischer und gedanklicher Brillanz" heutigen Autoren wie Annie Ernaux in nichts nachsteht. An den Figurenkonstellationen - etwa dem Mann, auf den der Titel anspielt, einem Publizisten, mit dem Ditlevsen zuletzt verheiratet war - erkennt Geißler, dass die Autorin hier ihre Lebensgeschichte teilt. Die Protagonistin (eine Schriftstellerin, die von ihrem Mann wegen einer anderen Frau verlassen wurde) wird nun fragmentiert - von außen wird über sie berichtet, aber auch eine erzählende Ich-Stimme mischt sich immer wieder ein. Aus dieser gelungenen Oszillation ergibt sich die psychologische Physiognomie des Kampfes einer Frau um sich selbst, so sieht Geisler es. Dieses Bild wirft schließlich die Frage auf, ob die Protagonistin selbst Herrin ihrer Gefühle ist oder ob sie von ihren Erlebnissen eingenommen wird - eine literarische Reflexionsarbeit, die Geißler ausdrücklich loben muss.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 07.01.2025

Rezensentin Marie Schoess freut sich über die Wiederentdeckung von Tove Ditlevsen, deren letzter Roman nun auch auf Deutsch vorliegt. Einmal mehr lässt sich die Kritikerin von dem dänischen "Sonderling", dessen autofiktionale Romane hervorragend in die Gegenwart passen, zu einem literarischen "Vexierspiel" überreden: Mit Perspektiven, Ton- und Textarten spielend erzählt Ditlevsen von der Trennung des Paares Lise und Vilhelm, sie Schriftstellerin, er Chefredakteur einer wichtigen dänischen Zeitung. "Eindeutig" ist hier nichts, die Ich-Erzählerin entpuppt sich bald als Lise selbst, deren Nähe wiederum zur Autorin ist unverkennbar, erkennt die Rezensentin: Selbst der Suizid, den Lise begeht, scheint Ditlevsens eigenen Tod 1976 vorwegzunehmen, so Schoess. Nicht zuletzt diese unheimliche Volte macht den Text für die Kritikerin zu "aufregender" Literatur.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.12.2024

Ein wahrhaftiges, großes Buch ist dieser letzte Roman der Schriftstellerin Tove Ditlevsen, ruft Rezensentin Shirin Sojitrawalla. Er dreht sich wieder um Ditlevsens alter Ego Lose Mundus, die schon in Ditlevsens, "Gesichter" auftauchte, diesmal nähern wir uns gleich aus mehreren Perspektiven, so Sojitrawalla, manchmal sei die Erzählstimme allwissend, manchmal subjektiv. Die Handlung orientiere sich an Ditlevsens vierter Ehe mit einem Journalisten, die seinerzeit für Schlagzeilen sorgte. Als schlichten autofiktionalen Bericht will die Kritikerin diesen reichhaltigen Roman aber nicht abtun. Geschlechterverhältnisse und auch Klassenfragen werden hier verhandelt, erläutert sie, satirische Passagen knöpfen sich die Welt der Medien vor, und nicht zuletzt sei auch dieser Roman ein großartiges Werk der literarischen Introspektion. Angst vor Versagen zum Beispiel spielt eine wichtige Rolle, so die hingerissene Rezensentin, die auch Ursel Allenstein Übersetzung lobt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.11.2024

Rezensentin Susan Vahabzadeh freut sich, dass im Zuge der umfassenden Tove-Ditlevsen-Renaissance nun auch deren letzter Roman auf Deutsch erscheint, der viele autobiografische Bezüge biete. Wie die Verfasserin steckt auch die Protagonistin Lise in einer unglücklichen vierten Ehe, bis Vilhelm sie für eine Jüngere verlässt und sie sich ihrem Nachbar Kurt zuwendet, der sie ziemlich einseitig begehrt, erfahren wir. Vahabzadeh findet hier eine sprachlich fast ein wenig sterile "postfeministische" Schilderung zwischen emotionaler Abhängigkeit, Psychiatrie und Beichte und freut sich, dass die Autorin zwischen Biografie und Fiktion mit diesem Text "das letzte Wort" behalten konnte.

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