Aus dem Französischen von Annika Loose. Berufswunsch: Tourist! Schon als Kind ist Julien Blanc-Gras fasziniert von Karten und schläft lieber mit einem aufblasbaren Globus ein als mit einem Kuscheltier. Seither ist er seinem erklärten Ziel, jedes Land der Welt zu bereisen, ein beachtliches Stück näher gekommen. Bei einer Lebenszeit von 30.000 Tagen, so hat er sich ausgerechnet, bleiben ihm durchschnittlich fünf Monate für jedes Land. Nun gut, einige Länder lassen sich vielleicht auch schneller erledigen - Luxemburg etwa erklärt der Autor nach einem kurzen Tankstopp bereits für abgehakt...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2015
Respekt bringt Rezensent Jakob Strobel y Serra Julien Blanc-Gras in jedem Fall entgegen: Nicht nur, weil der Autor den kühnen Versuch unternimmt, mit der "Tourismusliteratur" ein neues Genre der Reiseliteratur begründen zu wollen, sondern weil es Blanc-Gras auch gelingt, mit Klugheit, Süffisanz, gut dosiertem Humor und klarem, ganz von Eurozentrik befreitem Blick von seinen Aufenthalten etwa in Bombay, Tel Aviv, Bogota oder Guatemala zu erzählen. Und so folgt der Kritiker dem leichtherzigen Flaneur bestens gelaunt, liest die herrlich "ketzerische" Beschreibung des Maya-Devi-Tempels in Indien oder von einem One-Night-Stand mit einer Nymphomanin, muss aber nach einiger Zeit leider feststellen, dass dem Autor seine - erzählerische - "Kurzatmigkeit" und "Tiefstapelei" zum Verhängnis wird: Der Rezensent hätte sich statt flüchtigem Erleben mehr Verständnis, Erklärungen und Interesse für das Reiseziel gewünscht.
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