Valentin Groebner

Abgefahren

Reisen zum Vergnügen
Cover: Abgefahren
Konstanz University Press, Göttingen 2025
ISBN 9783835391888
Gebunden, 136 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Eine Reise zum Vergnügen ist die große persönliche Belohnung, die Auszeit, das Abenteuer, das Entkommen aus allen Zwängen und Pflichten. Und unterlegt mit der Angst, etwas zu verpassen. Fünf Jahre nach den geschlossenen Grenzen der Pandemie sind weltweit so viele Menschen zum Vergnügen unterwegs wie nie zuvor und die Nachrichten von Überfüllung und Zerstörung der vermeintlichen Idyllen allgegenwärtig. Ist der Tourismus eine Falle und die Belohnung Selbstbetrug? Valentin Groebner macht sich auf die Reise: von den Traumstränden mit Wohnmobilen zur Wellness auf tropischen Inseln, von alpinen Idyllen und ihrer Erschließung zur großen Erfüllung in der bukolischen Leere im Burgund. Woher kommt die Angst des Touristen, immer zu spät zu kommen zum wirklich Schönen und Echten? Und was sieht man, wenn man endlich angekommen ist an den Orten, an denen die verführerischen Bilder geknipst worden sind, die in den sozialen Medien kursieren? Ob auf griechischen Parkplätzen, an Mittelmeerstränden oder im Schatten der schmelzenden Gletscher, die Zukunft des Reisens wird voll sein mit Touristen; alle geplagt von Angst vor Verspätung, dem Versäumen des Besten und der bangen Furcht, schon wieder zu kurz gekommen zu sein. Dabei ist genug authentische Erfahrung für alle da. Man muss sie nur machen wollen - und sich überraschen lassen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2025

Amüsiert und mit Gewinn liest Rezensent Stefan Fischer Valentin Groebners Schrift über den Tourismus und dessen Sehnsucht nach Authentizität. Die ist, lernt Fischer, dann eine Schimäre, wenn sie sich auf eine ursprünglich gebliebene Welt bezieht, die von Touristen - mit Ausnahme eines selbst - verschont geblieben ist. Die Probe aufs Exempel liefert eine Radtour durch eine touristisch und auch sonst abgehängte Gegend Frankreichs, die Groebner unternimmt - nur um, wie Fischer zusammenfasst, zu erfahren, dass in diesen von Armut und Abwanderung geprägten Landstrichen schon die Suche nach einer Mahlzeit schwierig werden kann. Auch wenn sie anderes behaupten, sind Touristen, da ist sich Groebner laut Fischer sicher, auf touristische Infrastruktur angewiesen, und die einzige Authentizität, die auch und gerade im vermeintlichen Individualtourismus zu haben ist, ist die Authentizität des Touristischen. Neu mag diese Erkenntnis nicht sein, aber sie wird von Groebner mit schöner Klarheit dargestellt, meint der von diesem Buch ziemlich angetane Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2025

Die Freude auf den nächsten Urlaub lässt sich Rezensent Kai Spanke trotz Valentin Groebners treffender Kritik an Vergnügungsreisen nicht vermiesen. Groebners Beobachtungen sind außerdem so "elegant", dass man keine schlechte Laune bekommt, obwohl der Autor hier ziemlich gekonnt die negativen Seiten des Urlaubs aufzeigt: die unrealistischen Erwartungen, den Erholungs-Stress, die Sorge davor, irgendwo zu spät zu landen. Außerdem nimmt er psychologische Eigenheiten des typischen Touristen unter die Lupe, die Lust am Meckern zum Beispiel. Nicht nur witzige Anekdoten und kluge Beobachtungen kann der Rezensent hier finden, sondern auch faktenbasierte Kritik am Reisen: 2030 könnten Urlaubsreisen ein Viertel der menschengemachten CO2-Emissionen ausmachen, führt Groebner an. Auch das Wohnmobil bekommt sein Fett weg: neunhunderttausend dieser "Panzer" waren im Jahr 2024 in Deutschland gemeldet, bereit, beliebte Urlaubsregionen zu erobern. Muss das sein? Typische Charakteristika der Reiseliteratur, nämlich "Pathos, Kitsch und Sinnstiftungsgeraune", findet Spanke hier zum Glück nicht. Das negative Fazit Groebners findet er nun nicht sehr originell, aber die "charmanten" Reiseberichte trösten ihn darüber hinweg. 

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