Als im Februar 1997 die letzte Fähre von Ostende nach Dover ablegte, endete in der belgischen Küstenstadt erneut eine Ära. Einst mondänes Seebad, war Ostendes äußerer Glanz nach dem Zweiten Weltkrieg dahin. Auch für Jochen Schimmang war die Stadt nur Transitstation auf der Reise nach England, bis er eines kalten Novemberabends als letzter Gast in einem Ostender Lokal so warm empfangen wurde, dass er fortan den Ort und seine bewegte Geschichte für sich entdeckte. So kann er von Friedrich Engels erzählen, der das Ostender Leben "sehr schluffig" fand, und von Georges Simenon, der hier zum ersten Mal das Meer erblickte. Schimmang kehrt im Café Leeshus und im Mu.ZEE ein, er beobachtet die Besonderheiten der Ostender Möwen und des belgischen Sands - und erlebt am Ostender Strand einen Moment der Erleuchtung.
Seit der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist von der ehemaligen "Königin der Seebäder" nicht mehr viel zu sehen, weiß Rezensent Martin Becker. Ein verbauter Küstenstreifen, verschlafene Lokale - ein Ort von "freundlicher Hässlichkeit" ist Ostende heute, und damit laut Jochen Schimmang das ideale Versteck zum "Untertauchen". Diesem einst prachtvollen Ort widmet der Autor eine Hommage, in der streiflichtartig einzelne Episoden aus der ruhmreichen Vergangenheit erzählt, vor allem aber seiner Faszination für das gegenwärtige Ostende Ausdruck zu verleihen sucht. Und das tut er auf äußerst bemerkenswerte Art und Weise, findet Becker. Essayistische Betrachtungen wechseln sich mit autobiografischen Erzählungen und fiktiven Episoden ab, wobei die Auswahl und Anordnung nie willkürlich wirkt oder anekdotenhaft, lobt Becker. Jede einzelne Miniatur ist ein Fundstück an sich, doch zusammen ergeben sie ein vielfältiges, funkelndes Ganzes, so der bewundernde Rezensent.
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