Jürgen Osterhammel

Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats

Studien zu Beziehungsgeschichte und Zivilisationsvergleich
Cover: Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2001
ISBN 9783525351628
Broschiert, 368 Seiten, 44,99 EUR

Klappentext

Jürgen Osterhammels Buch ist ein Plädoyer - ein Plädoyer für die Integration aller Regionen der Erde in den Horizont einer "normalen" Geschichtswissenschaft. Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien sollten nicht in einem Teilbereich "Außereuropäische Geschichte" abgehandelt werden, sondern selbstverständlicher Bestandteil einer Historie mit universalem Blickwinkel sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2002

Das Projekt, um dessen Beschreibung es dem Historiker Jürgen Osterhammel in diesem Band geht, dürfte sich, meint Patrick Bahners, mit dem 11. September erst einmal erledigt haben: die "Wiedergewinnung des unbefangenen Blicks" nämlich, und zwar vom Okzident auf den Orient und vom Orient auf den Okzident. Es handelt sich damit auch um ein Projekt der "Universalgeschichte", das an deutschen Fakultäten, wie Bahners feststellt, nach wie vor keinen leichten Stand hat. Osterhammel wendet sich gegen Edward Saids Thesen von der grundsätzlichen Konstruiertheit des fremden Blicks und führt dagegen Texte ins Feld, die belegen, dass auch der Blick des "informierten Eroberers" Erkenntnisgewinn ermöglicht: "Hihi, die Macht der Überraschungen naht", schreibt der Donaldist Bahners dazu. Darüber hinaus bringt er in seiner Rezension Osterhammel und einen Aufsatz von Ian Buruma und Avishai Margalit ins virtuelle Gespräch: dass die beiden sich, nach dem 11. September, "Kritik an den eigenen Sitten" verbitten, hält er für einen bösen Rückfall hinter Osterhammels Vorhaben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.02.2002

Begeistert ist Rezensent Eckart Conze von der Arbeit des Historikers Jürgen Osterhammel - und das nicht erst seit diesem Aufsatzband. Dass der "innovative" Osterhammel "Einspruch erhebt gegen die nationalhistorische Selbstbezogenheit der deutschen Neuzeithistoriografie und ihren Europazentrismus", dass er versucht, Alternativen zu entwickeln zur üblichen Anthropologisierung und wie er Gesellschaft und Kultur in Beziehung zueinander und zu einer "globalen Geschichtsschreibung" setzt, das gefällt Conze außerordentlich. Er lobt auch das hohe Niveau der hier versammelten 14 Studien und hat keine Zweifel, dass der Band die ihm zukommende Verbreitung finden wird. Die einzige Sorge des Rezensenten ist, dass insbesondere "progressive Historiker" sich Osterhammels bedienen könnten in ihren Argumentationen gegen die Politikwissenschaft - denn das ist nur möglich, ohne ihn gelesen und verstanden zu haben, meint Conze.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2001

Mit Jürgen Osterhammels Aufsatzsammlung liegt nach Ansicht von Andreas Eckert ein Werk vor, dass endlich mit der "nationalhistorischen Selbstbezogenheit" und dem "Germano-" bzw. "Europazentrismus" der deutschen Geschichtswissenschaft Schluss macht. Eckert folgt Osterhammel in dessen Plädoyer, alle Regionen der Erde historiographisch in eine "Universalgeschichte" oder "Globalgeschichte" genannte Geschichtswissenschaft zu integrieren, wofür es zum einen "einer stärkeren Verankerung des Nicht-Okzidentalen in Forschung und Lehre" bedürfe, zum anderen einer "Geschichte in weltbürgerlicher Absicht", die "nicht nach Antworten von globaler Gültigkeit sucht, ihre Fragen aber in einem universalen Horizont stellt". Die Beiträge des Bandes, urteilt Eckert erfreut, sind "höchst anregende Streifzüge durch zum Teil äußerst komplexe, wahrhaft globale historische Problemfelder." Dabei lobt er insbesondere Osterhammels Fähigkeit, "gleichsam als Übersetzer zwischen dem deutschen historiographischen Mainstream und diversen Ansätzen zu einer Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats zu fungieren". Daher bestehe auch die Hoffnung, so Eckert, dass Osterhammels Anregungen auch tatsächlich aufgegriffen werden.