Seit einigen Jahren steht die deutsche Historiographiegeschichte immer wieder im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Dabei richtet sich der Blick jedoch zumeist auf die Geschichtsschreibung im Nationalsozialismus. Die Geschichte der Frühneuzeitforschung nach 1945 wurde bislang weitgehend ignoriert, obwohl sich gerade dieser Diskurs als exemplarischer Untersuchungsgegenstand anbietet: Hier lassen sich die Entstehung einer neuen historischen Teildisziplin, problematische Fragen der Epochenbildung sowie die spezifische Interaktion von Geschichtswissenschaft und öffentlichem Geschichtsinteresse detailliert nachvollziehen. Die vorliegende Arbeit verbindet Studien zu fachwissenschaftlichen Institutionen wie dem Historikertag mit genauen Analysen zum Aufstieg und Niedergang ausgewählter Themenfelder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2007
Eine ganz außerordentlich heikle Aufgabe hat sich Jaana Eichhorn mit ihrer Dissertation gestellt, betont der Rezensent Caspar Hirschi. Die Gefahr, in einer historischen Darstellung des eigenen Fachs - nämlich der Frühneuzeitgeschichte - den falschen Leuten auf die Füße zu treten, und zwar mit verheerenden Folgen für die eigene Karriere, sei ganz sicher nicht zu unterschätzen. Umso bewundernswerter scheint es Hirschi, wie die Autorin hier den "richtigen Ton" findet, "Netzwerke" und Einflusslinien herausarbeitet und die richtigen Beispiele wählt, von "Begriffsdebatten" bis zur Darstellung einzelner Forschungsgegenstände. Nur eines hat der Rezensent denn doch zu bemängeln: Die Transparenz, die Eichhorn in ihren Analysen der Fachgeschichte bietet und fordert, lässt sie in Bezug auf ihre eigene Herkunft vermissen. Dabei hätte sie sich für ihren Doktorvater, den emeritierten Frühneuzeithistoriker Wolfgang Reinhard, gewiss nicht zu schämen, so Hirschi. Reinhard habe in einem Interview die Ansicht geäußert, dass es eine gute Idee gewesen sei, seiner hoch begabten Doktorandin Jana Eichhorn aufgrund der problematischen Lage seines Fachs von einer wissenschaftlichen Karriere abzuraten. Hirschi kann nur bedauern, dass Eichhorn dem Rat des Doktorvaters gefolgt ist.
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